Seit 2010 schon hat Sylvie Courvoisier ihr Trio mit Drew Gress (Bass) und Kenny Wollesen (Drums) am Laufen. Anfang 2025 war die Band einmal wieder auf Europatour. Aus drei der Konzerte (Essen, Paris, München) sind hier Mitschnitte kombiniert, klingen aber wie ein einziger zusammenhängender Auftritt. Das ästhetische Konzept des Trios – zwischen Tempo und freier Time – begeistert dabei immer wieder. Kapriziöse Themen und groovende Strecken wechseln sich überfallartig ab mit experimentellen Passagen oder insistierenden Zwischenteilen. Die brüchige Struktur, die unberechenbaren Manöver wirken live noch souveräner als im Studio – man spürt die Freiheit der Erfahrung, die Explosivität der Konzertsituation. Das Trio agiert wie ein einziger Organismus. Nicht genug bewundern kann man Courvoisiers mutiges Klavierspiel, diese knotigen, dichten, dynamischen, mit Neue-Musik-Techniken durchsetzten, oft aggressiven oder dissonanten Figurierungen. Vier der neun Stücke im Programm kommen übrigens vom letzten Studioalbum, „Free Hoops“ (2020).
Text
Hans-Jürgen Schaal
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 12. Okt 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews