Vroni Frisch Band
She’s fresh!
Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Kool & the Gang unsere aktuelle „Jazz thing Next Generation“-Musikerin gekannt haben, als sie 1984 ihren Hit „Fresh“ herausgebracht haben, trotzdem passt der Song mit seinem markanten Refrain „She’s fresh“ wie die Faust aufs Auge zu der Bassistin – und das liegt nicht nur an ihrem Namen Vroni Frisch.
Vroni Frisch ist im Taunus aufgewachsen, hat erst Klavier gespielt und später, da war sie bereits Bassistin, in Mainz Musik studiert. Auf ihrem Debütalbum „Ephemer“ (Double Moon/Bertus) spielt sie einen sechssaitigen E-Bass. „Das Instrument hat mir Ralf Cetto, mein Bassdozent an der Musikhochschule Mainz, nahegebracht“, erzählt die Musikerin. „Ich wollte schon immer mal einen Sechssaiter spielen und besitzen, und als genug Geld auf dem Konto war, habe ich Ralf den abgekauft. Als Kind habe ich zunächst Klavier gespielt. Als ich 14 war, gründete unser Lehrer eine Klassencombo, und weil schon so viele Klavier gespielt haben, habe ich den Bass übernommen. Und dann merkte ich schnell, dass man am Bass gesucht ist. Ich erhielt dauernd Einladungen, bei irgendwelchen Bands mitzuspielen, und so bin ich bei dem Instrument geblieben.“
„Ephemer“ von der Vroni Frisch Band ist ein vielseitiges Album, deren acht Songs allesamt aus Frischs Feder stammen. „Ich finde es spannend, die üblichen Bahnen in meiner Musik ein bisschen aufzuweichen“, berichtet die Bassistin. „Ich kann mich beispielsweise in den gleichen Tonhöhen wie mein Saxofonist Gregor Schor bewegen, weshalb wir oft zusammen Unisono-Melodien spielen.“ Und zusammen gespielt haben sie seit der Bandgründung reichlich. „Die Band gibt es seit zwei Jahren, und in der Zeit habe ich schnell gemerkt, dass man Durchsetzungsvermögen braucht als Bandleaderin“, erzählt Vroni Frisch. „Aber der Spaß an der Musik ist bei mir und meinen Musikern zum Glück groß genug.“
Eine echte Herausforderung für Frischs Selbstbewusstsein war das Booking. „Beim Booking habe ich schnell gemerkt, dass die Band kein Selbstläufer ist“, sagt sie. „Deshalb bin ich auch so froh, dass wir jetzt in der Next-Generation-Reihe veröffentlichen können, denn allein die Ankündigung dieser Tatsache hat sich bereits positiv bemerkbar gemacht: Ein paar Türen haben sich geöffnet. Das ist einfach ein bekannter Begriff mit einem gewissen Standing.“
Ihre drei Musiker, neben Schor der Pianist Manuel Seng und der Schlagzeuger Tobias Frohnhöfer, hat Frisch mit Bedacht ausgewählt. „Ich habe die drei ganz bewusst und gezielt angefragt“, kann sie berichten. „Ich weiß, dass ihnen die Musik, die ich schreibe, gefällt. Dennoch spielen sie ganz individuell. Meine Songs sind zwar im Prinzip auskomponiert, aber nicht bis ins kleinste Detail. Bei den Rhythmen sind beispielsweise ungewöhnliche Sachen dabei, aber ich wusste, dass Tobias Frohnhöfer das hinkriegt. Manuel Seng hat einen klassischen Hintergrund, und ich finde, das kommt meiner Musik auch zugute. Auch Gregor spielt unkonventionell, und das ist genau das, was meine Stücke brauchen.“
Kommen wir zurück zu Frischs Songs.
„Ich mag Überraschungen in den Stücken, sei es die Dynamik von ganz leise bis ganz laut oder die Harmonik, in der überraschende Dinge passieren“, erzählt Vroni Frisch.
„So etwas gefällt mir auch als Zuhörerin: Widersprüche, Gegensätze, die sowohl in einem Stück als auch in einem Album Platz haben.“ Der Titelsong liegt ihr besonders am Herzen. „“Ephemer‘ ist ein Wort, das einfach gut zu dem Stück gepasst hat“, sagt die Bassistin. „Es bedeutet so viel wie kurzlebig oder vergänglich, und das ist ein schöner Widerspruch zur Musik, die ja eigentlich langlebig sein soll. Nach einem Konzert wirkt Musik oft noch weiter; nur weil sie zu Ende ist, ist sie nicht komplett weg. Das Stück fällt auch deshalb aus dem Rahmen, weil es auf einem Loop, der von meinem Bass generiert wurde, basiert. Im Vergleich zu den anderen Titeln ist „Ephemer‘ auch ein kurzes Stück, und es ist wie ein Streiflicht gedacht – etwas, das kurz einmal aufblitzt.“
Etwa doppelt so lang ist das variantenreiche „Lugano“. „Dieses Stück ist inspiriert von einem Urlaub am Luganer See, aber es hat Jahre gedauert, bis es endlich fertig war“, berichtet Vroni Frisch. „Ich habe es oft hervorgeholt, bin aber nur selten richtig weitergekommen. Das Stück vereint sehr viele unterschiedliche Stimmungen und Dynamikstufen, und es ist wie eine Reise. Die Idee dahinter war, darzustellen, was man an so einem See alles erleben kann: die schöne Landschaft, die Natur, aber auch die Energie eines Gewitters, die sich über dem See entlädt.“
Jazz thing präsentiert
Vroni Frisch Band
10.01. Bad Gastein, Rising Stars Festival
22.01. Hanau, Jazzkeller
13.02. Bingen, Binger Bühne
19.03. Darmstadt, Stadtkirche
Booking MaWeMarketing | Martina Weinmar








