Aufregend geht diese Platte schon los: mit stolpernden Rhythmen von Schlagzeuger Leif Berger. Dann stößt Pianist Felix Hauptmann dazu mit repetitiven, minimalistischen Klängen. Der raue E-Bass von Ruth Goller setzt ein und wummert dazwischen und Hauptmann beginnt, sich improvisatorisch seine Linien zu suchen. Was für ein Klangabenteuer. Und da ist der Bandleader, Fabian Dudek, noch gar nicht zu hören, steigt er doch erst eine knappe halbe Minute vor Ende der Auftaktnummer mit seinem Altsaxofon kurz ein. „Recent“ heißt das neue Werk des in Köln lebenden Mannes, dem Überflieger, der nicht nur als Instrumentalist herausragt, sondern auch durch seine sprudelnden, nie versiegenden gestalterischen Ideen ein äußerst spannender Musiker und Komponist ist. Was er auch auf dem ersten Album seines neu gegründeten Plattenlabels Furusato Records eindrucksvoll zeigt. „Recent“ ist Musik für den Intellekt, für Fans von Jazz der die konventionellen Formen hinter sich gelassen hat. Aber die Musik fließt, getragen von komplexer Rhythmik, Grooves und einer virtuosen Lebendigkeit. Das Resultat ist eine hoch intensive, strukturierte Musik voller Freiheiten und individuellem Ausdruck, der man unbedingt ganz aufmerksame Ohren schenken sollte.
Text
Christoph Giese
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 12. Okt 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews