Auch eine Premiere: Steven Bernstein, der unerschrockene, ruhelose Entdecker an der Trompete, packt gleich zwei Alben, die unterschiedlicher kaum sein könnten, in eines. Da ist zunächst das akkordlose ResoNation Trio mit Bassist Scott Colley und Drummer Nasheet Waits. Ein typischer Bernstein, wie sich die drei extrem zurückhaltend, fast minimalistisch durch karge Klangwelten bewegen und dabei dem Terminus „Schönheit“ eine neue Kraft verleihen, noch dazu, weil der 64-Jährige, der sich vor allem als Zugtrompeter einen Namen erworben hat, diesmal ausschließlich mit einem Ventilinstrument oder einem Flügelhorn zu hören ist. Aber Bernstein wollte mehr. Er übergab die fertige Aufnahme an den Produzenten Scotty Hard, der die ResoNation-Session in sämtliche Bestandteile zerlegte. So entstand „Ultra Resonance“, eine originelle Neukreation, im Prinzip unkategorisierbar. Fast nichts ist mehr so, wie es ursprünglich war. Jeder einzelne Klang wurde verändert, neu konfiguriert, zerhackt, rückwärts oder in einer anderen Tonart gespielt und mit allerlei Tricks verfremdet. Kaum zu glauben, dass alles aus ein und derselben Quelle stammt!
Text
Reinhard Köchl
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 12. Okt 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews