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Julia Hülsmann

Diese Frage habe ich mir schon so oft gestellt; und dabei ist nicht der Nachwuchs gemeint, sondern natürlich ein neues Stück… Was für ein Dilemma: Da hat man die vielen Hürden genommen, eine neue Melodie gefunden, eine schöne Harmoniefolge zum Klingen gebracht, einen groovenden Rhythmus gebastelt, die immer wieder aufkeimenden Zweifel zur Seite geschoben – und denkt, alles sei fertig. Aber Pustekuchen, der Name fehlt noch und damit ein wichtiges, unentbehrliches Teil.

Natürlich könnte man der Meinung sein, Namen wären doch Jacke wie Hose, gerade bei Instrumentalmusik. Aber wie oft wird man von schlechten Songtiteln in die Irre geführt – und andersrum: Wie großartig ist es, wenn ein Name wie die Faust aufs Auge passt. Auch nach einem Konzert ist es sehr befriedigend, wenn Zuhörer einen auf ein bestimmtes Lied ansprechen und sich den Namen gemerkt haben oder ihn sogar für besonders passend halten. Eine gute Geschichte zu einem Stück ist für eine Ansage im Konzert Gold wert.

Was ist eigentlich ein guter Name??

Im besten Fall schafft es ein Titel, die Musik so zu unterstützen, dass die Hörer auf einen Weg geführt werden, ihnen ein Bild in die Hand gegeben wird, sie in ein bestimmtes Gefühl versetzt werden oder auch Erinnerungen geweckt werden. Manchmal wird auch die Idee des Stückes ganz simpel erklärt, wie z.B. bei dem Klassiker „Take Five“…

Bei mir ist es so, dass ich den Namen sofort weiß oder ewig suchen muß. Deshalb hab ich mal das Real Book gewälzt und mir die Instrumental-Stücke genauer angeschaut.

Viele, viele Stücktitel beschäftigen sich mit Ort und Zeit. A Night in Tunisia, Round Midnight, St. Thomas… Auf Brad Mehldaus CD „Places“ geht es nur um Orte: Los Angeles, Schloss Elmau, Paris…

Der Entstehungsort und -zeitpunkt können auch herhalten. Ein nicht weiter auffallendes Stück meinerseits hieß deswegen: London at Lunchtime. Ich denke, es hat auch mit dem Titel zu tun, dass dieses Stück nicht bestehen konnte…

Dann gibt es die Widmungen; Stücke, die für eine spezielle Person geschrieben wurden: Blues For Alice, Waltz For Debby, Nica’s Dream, Pannonica, Ana Maria, Mr. P.C…. ich könnte Stunden weiterschreiben.

Nicht zu vergessen natürlich die Wortspiele: Miles Ahead, Milestones, For Minors Only, Tune Up, Count Down… Besonders gefällt mir ein Titel vom Berliner Bassisten Johannes Fink: What Do You Fink?

Womit wir auch schon bei meiner Lieblingkategorie wären (und weg vom Real Book), den Trash-Titeln, Nonsens-Freestyle-Namen, wie auch immer man sie nennen will.
Ich finde Rudi Mahall absolut führend in dieser Sparte:
Schwester Ingrid diagnostiziert am Tage
Meiner ist kleiner
Mit Ohne Ohne Mit

Aber auch mein lieber Kollege Heinrich K. ist in dieser Hinsicht äußert begabt. Sein letzter Songtitel-Vorschlag in diese Richtung war: Helmut Schmidt.
Leider habe ich mich selber noch nicht getraut, diese Tür zu öffnen, aber vielleicht passt es auch einfach nicht zu meinen Stücken.

Natürlich gibt es auch Glücksmomente bei der Suche nach einem passenden Titel, nämlich wenn man ein Stück schreibt und sofort weiß, wie es heißen soll. So ist es z.B. dem eben schon erwähnten Heinrich K. ergangen: Ein neues Stück nannte er sofort nach Fertigstellung „Jetzt reicht’s“. Nun begab sich aber Folgendes. Heinrich war gerade zufrieden zu Hause angekommen, als es an der Tür klingelte. Er öffnete und sah vor sich zwei Zeugen Jehovahs, die eine Zeitschrift hochhielten mit der großen Überschrift: „Jetzt reicht’s“. Da war klar, was zu tun war. Jetzt heißt das Stück „Zahlen bitte“. Die Geschichte zu diesem Namen könnt ihr euch auf einem unserer Konzerte von Heinrich selbst erzählen lassen.

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2 Kommentare zu „Wie soll’s denn heißen?“

  1. Titeln in Jazz sind mir oft ein Rätsel. Und ich finde meist auch schön, wenn es ein Rätsel bleibt.
    Ich finde toll, wenn Künstler wie Pat Metheny oder Vince Mendoza nicht fähig sind, Titeln zu finden. Es heisst denn Part 2 oder Blues suite n°1. Nichts von der Musik geht dadurch verloren !

  2. Hallo Jean-Marc,
    Stimmt schon, die Rätsel, die Rätsel bleiben sind auch gut. Ich habe auch gar nichts gegen die Titel ohne Titel, z.B. finde ich Nik Bärtschs Module (47, 25,….) auch sehr passend. Vielleicht brauche ich selber einfach Namen für meine Stücke…

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