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Pit Huber

Armstrong – so heißen geborene Sieger. Ein Neil Armstrong war der erste Mensch, der durch außerirdischen Staub stiefelte. Ein Lance Armstrong besiegte den Krebs an radsattelsensibler Stelle und dazu noch siebenmal hintereinander seine Gegner bei der Tour de France. Eine Kristin Armstrong gewann kürzlich bei Olympia ebenfalls im Drahteselreiten. Eine Kerry Armstrong eroberte den australischen Filmpreis, den AFI Award, gleich zweimal in einem Jahr. Eine Rebekka Armstrong schaffte es mit Bodybuilder-Muskelkraft aufs Titelblatt des Playboy. Und Louis Armstrong – wir wissen es alle: „Es gibt nichts auf der Trompete, was nicht von ihm stammt, nicht mal im modernsten Jazz“, sagte Miles Davis über ihn. Satchmo ist die Dreh- und Angelfigur der Jazzentwicklung. Eine Ikone des 20. Jahrhunderts.
 
Wer bei Olympia einen Athleten namens Satchmo an den Start bringt, will nicht Zweiter werden. Voll austrainiert, in Top-Kondition, fit auf die Minute, muskulös und sehnig, mit vor Gesundheit und Selbstbewusstsein glänzendem braunen Körper, Konzentration in jeder Faser: Was sollte da schiefgehen? Und doch: „Er brach in der Piaffe aus und ließ sich sekundenlang nicht zügeln.“ Die Pferde gingen sozusagen mit ihm durch. Satchmo ließ sich hinreißen zum Unerwarteten. Er verweigerte den Drill. Er improvisierte. Und er hatte Recht. Gibt es etwas Geistloseres als eine Piaffe, das Traben im Stillstand?
 
In einer Disziplin, in der Disziplin so großgeschrieben wird und die Protagonisten Bonaparte, Dux, Ahlerich oder ähnlich zackig heißen, ist der Name Satchmo einfach Verpflichtung zum Protest. Ein Satchmo lässt sich nicht restlos dressieren wie ein Klassik-Wunderkind. Erlernte Disziplin, technische Exaktheit, abrufbare Höchstleistung – das ist das Gegenteil von Inspiration und Genialität. Früher konnten Jazzmusiker nicht mal Noten lesen, hatten keine Ahnung von Tonarten und Akkorden, aber erfanden aus der Laune des Augenblicks die Key-Codes der Zukunft. Das Einmalige hat oft viel mehr mit Jazz zu tun als das Erlernte. Das Falsche ist in der Ausdruckskunst oft richtiger als das Botmäßige.
 
Dabei dürfen wir nicht vergessen: Nichts liebt Satchmo mehr als den Auftritt vor Publikum, die Präsentation seines Könnens, den Beifall der Welt. Und doch – manchmal muss man passen, um wirklich zu glänzen. Der echte Satchmo sagte einmal sogar eine komplette Russland-Tournee ab, weil er nicht das Dressurpferd der amerikanischen Politik sein wollte. Das Verweigern und Ausbrechen fiel ihm nicht leicht, aber viele seiner Fans applaudierten. Ein Satchmo ist ja nicht auf der Welt, um zu gehorchen. Sogar seine Reiterin ahnt etwas: „Das Pferd ist so genial – da passiert das schon mal.“ Dieses Silber wiegt schwerer als Gold.
 
Pit Huber

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1 Kommentar zu „Silber für Satchmo“

  1. Yeah, man! Can you dig ol‘ Satchmo swinging in the hi-hi-hi-high soci-ety?

    Alles sehr schön und richtig beobachtet!

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