Pit Huber

Noch ein Magazin: Das Klassik-Blatt „Partituren“ beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit der „Welt der Flügel“. Kein Wunder, dass es in der Rubrik „Klangfarbe“ diesmal ums Flügelhorn geht. Denn erstens hat es den Flügel schon im Namen, zweitens sieht es einem Klavier zum Verwechseln ähnlich und drittens spielt es in der klassischen Musik praktisch keine Rolle. Immerhin: In der Threni-Kantate von Strawinsky und in der 9. Sinfonie von Vaughan Williams soll es tolle Auftritte haben. Kennt jemand jemanden, der diese Werke schon gehört hat?
 
Wozu also gibt es das Flügelhorn überhaupt? „Partituren“ weiß es: für Jazz. Der Bildtexter bildtextete: „Aus dem Jazz ist es längst nicht mehr wegzudenken.“ Da muss ich dann doch sagen: Unterschätzt nicht die menschliche Denk- und Wegdenkfähigkeit! Ich kann mir das Flügelhorn sehr wohl wegdenken und würde allenfalls ein paar Klangtimbres in modernen Big Bands vermissen. Das große Flügelhornsolo, an dem mein Herz hinge, gibt es nämlich nicht. Genauso wenig wie das große Oboensolo oder Harfensolo im Jazz. Das sind alles wunderschöne Instrumente, aber irgendwie fehlt ihnen etwas: dieser kleine Jazz-Kick nämlich. Diese kleine raue Attacke. Das Espressivo im Ansatz.
 
Auch ein Miles Davis, dem es gelang, das Strahle- und Schmetter-, Growl- und Glanz-Instrument Trompete in eine Stimme der Intimität umzustülpen, brauchte noch in den ruhigsten Momenten dieses Espressivo. Weshalb er in 45 Jahren Studioarbeit exakt fünf Stücke mit Flügelhorn aufnahm (oder waren es doch sieben?). Das hindert „Partituren“ natürlich nicht, Miles als erste Flügelhorn-Referenz zu nennen. Chuck Mangione nennen sie nicht.
 
Dann steht da noch, das Flügelhorn könne jede beliebige Kuhherde anlocken und wie hypnotisiert dreinschauen lassen. „Partituren“ beruft sich dabei auf das anerkannte Forschungsinstitut „Wetten dass“. Woraus ich schließe: Jazzhörer sind eben doch keine Kühe, Chuck-Mangione-Fans aber vielleicht doch.
 
Pit Huber

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4 Kommentare zu „Flügel und Horn“

  1. Nonsens.
    Zwei Worte: Chet Baker. Ein Beispiel: Album „Baby Breeze“, Titel „This is the thing“. Chet machte in der ersten Hälfte der 60er etliche Alben mit flgh

  2. Richtig: Baker hat eineinhalb Jahre lang nur Flügelhorn gespielt. Seine Gründe sind unklar. Möglicherweise besaß er gerade keine Trompete, möglicherweise wollte er seinen schlechten Ansatz kaschieren, möglicherweise war das Instrument einfach in Mode. Jedenfalls war er der Letzte, der die „Weichheit“ des Flügelhorns gebraucht hätte. Und er spielte es weder vor dieser Zeit noch hinterher wieder. Verständlich: Das Instrument hat seinem Spiel nichts hinzugefügt, es verlangte nur mehr Luft als die Trompete.

  3. Wie kann man nur solch einen Mist verzapfen? Es wundert mich nicht, dass ich noch nie was von Pit Huber gehört habe! Ich habe selten einen so unqualizierten Artikel & soviel Delitantismus in Sachen Instrumentenkunde erlebt. Das Flügelhorn, egal was dieses merkwürdige Blatt „Partituren“ schreibt, ist ein integraler Bestandteil der Jazz-/Popular- und volkstümlichen Blasmusik. Zudem sind seine Entfaltungsmöglichkeiten in der klassischen Musik viel breiter als oben angeführt. Wer dann noch eine erbärmliche „Wetten dass…?“-Wette heranzieht, um einem jämmerlichen & vor Polemik triffenden Geschreibe eine Poente zu verpassen und dabei alle wirklichen Jazzfreunde und/oder Chuck Mangione-Fans verunglimpft, hat keine Achtung und Beachtung in der Jazzszene verdient! Den kommerziellen Erfolg von Chuck Mangione mal ganz außen vorgelassen („Feel`s so good“ ist immernoch der erfolgreichste Instrumentaltitel in Nordamerika), der nur noch in Sachen Trompeten/Flügelhornsolisten in der U-Musik von Miles Davis & Maynard Ferguson (leider noch nicht von Wynton Marsalis) erreicht wird, ist Chuck ein solch wichtiger Bestandteil des Jazz, seit seinen Backround-Auftritten mit MF & seiner Band, dass ich mit dieser Konklusion schließen möchte: Mangione hat schon mehr über Jazz vergessen, als Huber je gewusst hat!

    P.S.: R.I.P. Chet& Miles

    Simon Herschler
    Trompeter & Flügelhornist

  4. Saublöd provokantes Zeugs, was im „Artikel“ dort oben verzapft wird, offensichtlich von einem Menschen, der nicht die geringste Ahnung hat.

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