US-Bands, die Grateful-Dead-Cover spielen? Gibt es in etwa so viele wie Lügen des orangenen Präsidenten. Bei allem Eifer sind die musikalischen Resultate dann doch oft mager. Bei Kronstad 23 kommt der Kopierverdacht gar nicht erst auf – nicht nur, weil es sich um vier Norweger handelt. Gitarrist Alexander Tøsdal Tveit hat aber genau diesen hellen, unendlich melodischen Jerry-Garcia-Ton, dem man gern minutenlang beim Mäandern lauscht. Das dritte Album von Kronstad 23, benannt aus einem Viertel in ihrem Gründungsort Bergen, hat jedoch mehr zu bieten als psychedelisch Angehauchtes. Ethio-Jazz und Latin-Rock-Grooves klingen an. „Høytrykk“ könnte eine wuchtige Daptone-Produktion sein, „Stratosfæren“ ein verträumtes Peter-Green-Outtake. Zum Allerlei-Eintopf wird das Album dabei nicht, dafür ist das Talent der vier zu groß. „Dødehavet“ ( „Totes Meer“) ist eine fabelhafte Funk-Platte – dafür sorgt auch die warm-analoge Aufnahmequalität.
Text
Jan Paersch
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 29. Jun 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews