Gestorben: Dietrich Rauschtenberger

Sein erster Roman „Heute ist morgen gestern“ wurde 1979 verlegt, seitdem sind von ihm zahlreiche autobiografisch geprägte oder zumindest autofiktionale Prosatexte erschienen, darunter 2015 „Mit Kowald in Sibirien – Eine Reise zum Mittelpunkt Asiens“ und im selben Jahr „Trombeck: Wie wir den Freejazz erfunden haben“, basierend auf dem eigenen Hörspiel von 2005. Darin hadert der musizierende Protagonist unter anderem mit den Grauzonen der Musikpraxis: „Die Unterscheidung zwischen Amateuren und Profis, also Hobby- und Berufsmusikern, war nicht so eindeutig, wie Trombeck es der Journalistin gegenüber behauptet hatte, bei ihm so wenig wie bei vielen Musikern, die sich semiprofessionell nannten. Es hatte Jahre gegeben, in denen er freier Mitarbeiter eines Verlags gewesen war, der in seiner Freizeit Musik machte – wenigstens seiner Steuererklärung zufolge.“
Als Musiker wie als Autor blieb Rauschtenberger bis zuletzt kreativ: Gemeinsam mit dem Stellwerk-Quartett mit seiner Frau Brigitte, dem Bassisten Klaus Harms und der Querflötistin Tanja Kreiskott machte er noch im Frühsommer 2026 letzte Musikaufnahmen. Ebenfalls in diesem Jahr erschien als Book on Demand sein letzter Roman „Blanck steigt aus“ über einen frustrierten Lehrer, der von einem Leben als Jazzmusiker träumt. Er spielt in der fiktiven Stadt Schmulch. Als zeitlebens mehrgleisig schöpferischer Künstler, hinterlässt Rauschtenberger ein musikalisch-literarisches, sich selbst beobachtendes und kommentierendes Gesamtkunstwerk mit Raum für Zweifel, Selbstreflexion und Humor. Er starb nach schwerer Krankheit am 9. August in seinem Geburtsort Schwelm.




