Natürlich gibt es keinen „Nachtsonnenzyklus“ – so der italienische Titel „Il Ciclo Del Sole Noturno“ ins Deutsche übersetzt. Dennoch liefert der einen vagen Hinweis auf die Entstehung dieser ungewöhnlichen Musik von Giancarlo Nicolai, Sandra Weiss und Anna-Kaisa Meklin. Aufgenommen wurden die zwei langen Stücke an zwei Tagen im Abstand von vier Jahren in St. Theresia in Allschwil unweit von Basel. Dabei wurde nicht nur die eigentümliche Akustik dieser Kirche einbezogen, sondern auch zufällig entstandene Geräusche innerhalb und außerhalb des Kirchenraums konzeptionell ebenso berücksichtigt wie die spezifischen Planetenkonstellationen an diesen Tagen. Mit Laute, Fagott, Saxofon und Viola da Gamba ungewöhnlich besetzt, resoniert dieses Trio einerseits mit dem Raumklang, um andererseits eine tonal freie, zwischen Melos und Geräusch oszillierende und wie ein lebendiger Körper pulsierende Musik zu entwerfen. Und der die Tage in Allschwil aufnehmende Tonmeister Thierry Simonot ist zum vierten Bandmitglied geworden, weil er das musikalische Setting in „real-time“ in Soundscapes transformiert hat.
Text
Martin Laurentius
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 06. Aug 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews