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Lili Lameng

Am vergangenen Mittwoch ging ich nichts ahnend durch die Leipziger Fußgängerzone, als mich plötzlich auf dem Weg zum Geldautomaten eine Art Panik ergriff. Es schien, als lauere hinter der nächsten Ecke – just dort, wo sich die Geldquelle befindet – ein Demonstrationszug. Ich scheue Menschenmassen. Diese Menschen hörte ich laut singen, sehr laut, vor Mikrofonen. Gerade wollte ich mich zurückziehen, da sah ich etwas weiter entfernt eine Bühne mit einer Art Chor. Die Sänger trugen gelbe, gezackte Kopfbedeckungen. Es klang schief. Die Mikrofone standen vor den falschen Sängern. Ich verstand nur „Sachsen“ und „Fasching“: Beginn der Faschingszeit, gleichzeitig der Sankt-Martins-Tag, der elfte November. In den Geschäften wird für Weihnachten dekoriert, Jingle Bells, Rudolph, Anfragen für Weihnachtsfeiern, da bin ich präpariert. Aber Faschingsjazz? Sankt-Martins-Jazz?

Der Sankt-Martins-Tag liegt nun hinter uns, es kam auch keine Anfrage, darüber kann ich mir später Gedanken machen. Aber Fasching! Da ließe sich doch ein Markt erschließen. Bis jetzt werden doch immer nur Stimmungsbands für karnevalistische Sitzungen gewünscht. In New Orleans klappt das doch auch! Statt Heinos „Karneval in Rio“ könnte ich doch rhythmisch anspruchsvollere Varianten finden, ein jazziges Karnevalsrepertoire anbieten!

Meine Recherche führt mich mit Heino nach Brasilien: „Manha de Carnaval“ aus dem Film „Black Orpheus“, 1959. „Black Orpheus“, ein Jazzstandard. Doch der würde hierzulande zum Karneval als zu melancholisch empfunden. Vielleicht würde der Song besser nach Basel passen, dort ist der Karneval, die Fasnacht, eine stillere Angelegenheit. Guggenmusik- und Pfeifer-Gruppen würden den schönen Song allerdings untergehen lassen. „Carnival time is here / magical time of the year“, ein Liebeslied.

Überhaupt war 1959 das Jahr, in dem der Karneval und der Jazz sich einander vage annäherten: Gigi Campis legendärer Jazz-Karneval, bei dem er während des Kölner Karnevals Francy Boland und fünf weitere Jazzmusiker als Band für die Gäste seines Eiscafés engagierte, fand im Jahr des „Black Orpheus“ statt. Der Jazzkarneval soll die Geburtsstunde der Kenny Clarke / Francy Boland Big Band gewesen sein. 50Jahre ist das schon her…

Gar nicht so einfach, mein Unterfangen. Das haben wohl auch schon andere gemerkt. „Jazz trotz(t) Karneval“ heißt die zur Faschingszeit stattfindende Veranstaltung im Gelsenkirchener Consol Theater.
Ach, ich begleite einfach am Sankt-Martins-Tag Laternenumzüge mit dem Lied des Heiligen und versuche, den Karneval zu ignorieren.

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