ELBJAZZ 2018

Lisa Bassenge

Juhuuu, wir gehen auf Tour! Paul kommt mich um 10:00h gefühlte Zeit (reale Zeit: 11:30h) abholen und wir müssen die Runde machen. Die Caravelle ist schon voll bis unters Dach, wie sollen wir bloß den anderen Kram noch mit reinbekommen? Am Schluss ist es geschafft und das Autochen platzt aus allen Nähten, 6 Personen, 3 Gitarren, die große Bassdrum, ein Baby, das neue Keyboard, ein Kontrabass, diverse Verstärker, neun Koffer, Kinderwagen und so fort. Dementsprechend gemütlich und kuschelig treten wir den Weg nach Darmstadt an.
Schon nach ein paar Kilometern wird klar, dass auch auf dieser Tour Fleisch unser Gemüse sein wird. Bei einem namhaften Burgerhersteller verlassen wir die Autobahn und ziehen uns eine korrekte amerikanische Mittagsmahlzeit rein. Jetzt wird es langweilig. Drummer Hardi hat die grandiose Idee, ein kleines Tour-ABC aufzustellen. Musiker zeichnen sich ja nicht nur dadurch aus, dass sie ihre Instrumente beherrschen, sondern auch durch das ständige Erfinden und Weiterentwickeln einer eigenen Bandterminologie, vorzugsweise in leicht angetrunkenem Zustand. Los geht’s:

A wie achtnseschzisch (= rhein. Schmähwort für unzeitgem. mus. Form)

B wie Bandhängung (= spätabendl. Beisammensein in trauter Runde)

C wie Cappa negra (= span. Antidepressivum)

D wie danke Darmstadt!, (= Ausruf der Freude)

E wie Endhase (= äußerst attrakt. Pers.)

F wie Fleischflöte (= kulin. Spezialität)

G wie Grenzerfahrung

H wie Hasenquote bzw. –alarm ({=hoher} Anteil an attraktiv. Pers. im Publikum)

I wie Improvisacion Andaluz (= achtnseschzisch)

J wie Julchen (= unser endhasiger Babysitter)

K wie korrek, korrek, jefällt ma, jeht ab!! (Komposition der zeitgenöss. U-Musik)

L wie Lampe an! (ugs.: heiter)

M wie Mannheimer Rakete (moderne Form des Crescendos)

P wie Partyzimmer

T wie Terrassendynamik (altmodische Form des Crescendos)

… schon ist die Aufmerksamkeit woanders. Jetzt wird erst mal ne Runde abgelästert über die Musik, die im Radio läuft. Das nimmt ja schon adornoeske Ausmaße an! Endlich rollen wir in Darmstadt ein und bauen unseren Kram auf, verspeisen die Süßigkeiten, die unser im Backstage harren. Dann Konzert. Und so wird es jetzt jeden Tag weitergehen. Club – Hotel – Club – Hotel – Bus – Autobahn – Hotel – Club – Hotel und so weiter und so weiter. Das ist das aufregende Tourleben. Alles wiederholt sich, man wird ein bisschen zum Tier und denkt nur noch drüber nach, wie das Hotel morgen sein wird und was es wohl zu fressen gibt. Wir lachen viel über hochwertige Witze.

Manchmal wird diese herrlich gleichförmige Reise leider unterbrochen von so etwas Ödem wie einem Offday… Dann müssen wir uns beschäftigen mit Ausstellungsbesuchen oder dem Wellnessbereich des Hotels. Zum Glück geht’s am nächsten Tag endlich wieder auf die Autobahn. Zu viel Freizeit ist ja auch nicht gesund. Haha! Nee, mal im Ernst: Ich freu mich sehr, unterwegs zu sein. Und das Spielen! Jeden Tag macht es mehr Spaß. Am Anfang waren wir noch etwas verhalten, aber mittlerweile rocken wir die Massen.

So, genug rumgesülzt. Bis zum nächsten Mal, viele Küsse

Lisa

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