Wer Maria Schneider und ihre Bigband mal live gesehen hat (wie der Autor dieser Zeilen einst beim Jazzfest Berlin), findet es besonders bedauerlich, dass die große Bandleaderin sich nun seit längerer Zeit auf New York beschränkt. Ihre Musik ist nämlich nach wie vor herausragend, wie ihre jüngste EP „American Crow“ beweist. Das Titelstück nimmt Bezug auf ein Paar Krähen, die Schneiders Eltern einst hielten und die sich zunächst frei bewegen konnten und dann nach Einschreiten der Behörden in einen Käfig gesperrt wurden. Der expressive Avantgarde-Sound, den Schneider hier pflegt, scheint jedenfalls für einen starken Charakter der beiden Vögel zu sprechen – gleichzeitig ist Schneiders Musik auf „American Crow“ aber auch zugänglich und kommt einem manchmal gar bekannt vor. Das macht ihre Musik so aufregend: Sie verbindet das Neue ganz lässig mit einer frischen Perspektive auf die Tradition.
Text
Rolf Thomas
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 05. Mrz 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews