Trotz seiner weit vorgeschrittenen Krebserkrankung ging der japanische Pianist Ryuichi Sakamoto kurz vor seinem Tod noch einmal ins Studio, um dort, ohne Publikum, nur beobachtet von seinem Sohn an der Filmkamera, ein letztes Konzert zu spielen. Es war für ihn ein absoluter kreativer Kraftakt. Fünf Jahrzehnte Film- und Solomusik verteilen sich auf die beiden Hände eines einzigen Interpreten über 88 Tasten, und es fühlt sich an, als würde er ganz in der Nähe spielen. Es ist gedämpft, ruhig, klar, erhaben – ein Minimalismus, der auch etwas Geisterhaftes an sich hat. Eine akustische Zeitlupe, die sich auf einer subtilen, fraktalen Klangwelle entfaltet, die niemals bricht, macht dieses Set so verblüffend und fesselnd, so still es auch sein mag. Nun endlich erschien „Opus“ auch als umfangreiches, sehr schon gestaltetes Vinyl-Box-Set. Ein Vermächtnis!
Text
Olaf Maikopf
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 11. Jun 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews