Dieses Trio swingt. Aber im Gegensatz zu konventionell swingenden Pianisten beherzigt Stefan Schöler eine befreite, erweiterte Tonalität. Man hört darin den Einfluss eines Paul Bley, eines John Taylor. Schölers Klavierphrasierung ist melodisch und klar, gleichzeitig aber abstrakt und eigensinnig – diese reife Stilistik überzeugt von Anfang bis Ende. „Psalm B“ ist das Nachfolgealbum zu „Folklore“ von 2024 – dort war noch das Stück „Psalm A“ zu hören. Erneut erhält Schöler kompetente Unterstützung durch Lukas Keller (Bass) und Simon Bräumer (Drums). Erneut präsentiert dieses Trio acht Stücke von Schöler und einen einzigen Jazzstandard – diesmal ist es „Stella By Starlight“. Mit „Bob Chigarillo“ und „Was du nachher noch gesagt hast“ gehören zwei kompakte, schnelle Swingnummern zum Programm, mit „Romanze vom Wald“ und „Ronny & Francesko“ zwei bewegend schöne Balladen. Und im Schlusstitel „Psalm C“ kommt zudem noch der Country-Gospel-Groove des frühen Keith Jarrett zum Tragen. Sicherlich eines der hörenswertesten Pianotrio-Alben des Jahres.
Text
Hans-Jürgen Schaal
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 08. Jun 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews