Die Supergroup Harriet Tubman neigt nicht zu Schnellschüssen. In knapp drei Jahrzehnten bringt es das Trio mit Gitarrist Brandon Ross, Bassist Melvin Gibbs und Drummer JT Lewis gerade mal auf ein halbes Dutzend Alben. Der Power-Jazz-Rock der Formation steht seit jeher in der Tradition der Jimi Hendrix Experience, und auch diesmal trägt sie diese Energie erfolgreich ins 21. Jahrhundert. Die entscheidende Veränderung ist die Erweiterung ihrer Besetzung um die Sängerin und Laut-Poetin Georgia Anne Muldrow, die über ein weites Spektrum an vokalen Möglichkeiten von schamanistischer Beschwörung über halsbrecherische Stimmakrobatik bis hin zu klarem Jazzgesang verfügt. Damit fügt sie sich wunderbar in die Band ein, deren Instrumente sie in ihrer Stimme amalgamiert, als würde sie mit ihnen nach Belieben jonglieren. Mit unglaublicher Power und ebensolchem Drive vermitteln die vier zwischen Avantgarde und Alter Garde. Indem jede und jeder der Gruppe die jeweils drei anderen beständig vor sich hertreibt, kommt eine sich stetig steigernde Spannung zwischen klassischem Jazz-Fock, Free-Funk und Afrofuturismus auf.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 08. Jun 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews