Marilyn Crispell / Anders Jormin

Memento

ECM/Universal

Marilyn Crispell / Anders Jormin – Memento (Cover)Dass die Chemie stimmte, wussten Marilyn Crispell und Anders Jormin schon bei ihrer ersten Begegnung. Als sie das Spiel des Bassisten Jormin hörte, habe das eine Saite in ihr zum Schwingen gebracht, erinnert sich die Pianistin Crispell. Und weil gut Ding eben Weile haben will, dauerte das erste Duoprojekt so lange. Nun aber gibt es „Memento“. Und es drängt sich die Frage auf, wie ein perfekt harmonierendes Zweiergespann eigentlich klingen sollte. Wahrscheinlich genau wie hier. Denn Klavier und Kontrabass erschöpfen sich nicht in egoistischen Monologen, auf die man bestenfalls eine Antithese setzen könnte. Es geht ums Zuhören, ums Reflektieren, um Gedanken, die weitergesponnen werden, auch um Pausen an der richtigen Stelle. Bestes Beispiel: Crispells „The Beach At Newquay“, in der das Piano Sonnenspiegelungen des Meeres an der Küste von Cornwall skizziert, zu denen Jormins hochgestimmter Arco-Bass Möwenschreie heraufbeschwört. Jeder Ton zählt, kann nicht zurückgenommen werden, was die Angelegenheit nicht gerade zum unmittelbaren Hörvergnügen erhebt. Aber die Musik klingt nach wie ein Ohrwurm. Komisch und doch irgendwie faszinierend.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 164

Veröffentlicht am unter Reviews

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