Davon haben Marc Copland und Mark Feldman schon lange geträumt: einmal den subtilen Dialog zwischen Piano und Violine einzufangen, bei dem lyrische Einvernehmlichkeit zum idealen Katalysator für Freiheit werden kann. 2022 im französischen Pernes und ein Jahr später in der Fattoria Musica in Osnabrück durften sie endlich ihre persönliche Theorie der Saiten in Klänge umwandeln. In Teil eins agierte Coplands Dauerpartner, der Bassist Drew Gress an der Seite des verstorbenen Schlagzeugers Anthony Pinciotti, die andere Hälfte bestritten Bassist Felix Henkelhausen und Drummer Jonas Burgwinkel. Ein Kontrast der konträren Energien, der weite rhythmische Landschaften für Coplands und Feldmans fein gewebte Klangtexturen öffnet. Irgendwann fällt es nicht mehr auf, dass die Saiten des Klaviers und der Geige zu einer Stimme verschmelzen, bei Standards wie „Alone Together“ ebenso wie beim politisch aufgeladenen „The Sun At The Zenith“, inspiriert von Jean-Paul Sartres Protestschriften. Nebenaspekt: Copland, das pianistische Chamäleon, agiert mit inzwischen 77 Jahren immer offener, zugewandter und neugieriger. Da kommt noch was!
Text
Reinhard Köchl
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 01. Jun 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews