Trompeter Nicholas Payton war bislang nicht gerade als Revoluzzer bekannt. Wenn er sich jetzt aber mit der aus Richmond, Virginia, stammenden Band Butcher Brown verbündet, um gleich zwei Meilensteine des Jazz in einem Streich nicht nur neu zu interpretieren, sondern mehr als 60 Jahre nach ihrer originalen Veröffentlichung für ein neues Publikum zu reanimieren, ist das schon ein revolutionärer Schritt. Es handelt sich um Miles Davis‘ „Kind Of Blue“ und John Coltranes „A Love Supreme“, die hier einen Zeitstrahl von Jazz-Rock, Fusion, Acid Jazz, Dub, R&B und HipHop durchlaufen. Bewundernswert ist die Lebendigkeit des Unterfangens, die uns vor Augen führt, wie bedeutend dieses Material auch für unsere Zeit noch ist, man muss es sich nur spirituell anzueignen wissen. Miles und Trane wären in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Payton und Butcher Brown verstehen es, sie jung zu halten, indem sie statt vor Ehrfurcht zu erstarren, die Botschaft der beiden Altmeister in einem gesunden Mischungsverhältnis von Demut und Unabhängigkeit in ein neues Zeitalter transformieren.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 31. Aug 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews