Editorial 165

Liebe Leserinnen und Leser,

Steve Swallow (Foto: Arne Reimer)Steve Swallow und Carla Bley seien eines der hipsten, eines der beständigsten und dann auch eines der rührendsten Künstlerpaare des modernen Jazz gewesen, schreibt Ralf Dombrowski in unserer Titelstory (S. 34). Manche waren besorgt, wie Steve Swallow den Tod seiner Partnerin im Jahr 2023 verkraften würde. Doch er hat seinen Weg gemacht, und sein neues Album „Winter Songs“ zeigt, dass man als Künstler auch im hohen Alter von 85 Jahren noch musikalisch wachsen kann – beeindruckend!

Mit John Coltrane feiern wir nach Miles Davis im vorletzten Heft zum zweiten Mal ein Centennial. Schon zu seinen Lebzeiten, aber auch nach seinem frühen Tod im Jahr 1967 hat John Coltrane die Musikwelt weit über den Jazz hinaus beeinflusst. Die Rock- und Popmusik der 1960er- und 1970er-Jahre lernte von ihm Offenheit und Experimentierfreude, im Stück „Jazz thing“, das unserem Magazin den Namen gegeben hat, widmete ihm die HipHop-Gruppe Gang Starr im Jahr 1990 eine ganze Strophe, in der Clubszene wird vor allem „A Love Supreme“ immer wieder gerne aufgegriffen, und in England gibt es seit 2013 das genresprengende Love Supreme Jazz Festival. Unser von Wolf Kampmann kuratiertes Special beleuchtet das Leben, das Schaffen und die Wirkungsgeschichte von John Coltrane aus verschiedenen Perspektiven (S. 40).

Für die neueste Ausgabe unserer Reihe über „Routines & Rituals“ im künstlerischen Alltag haben der Saxofonist Tobias Meinhart und die Fotografin Mariana Meraz in ihrer Wahlheimat New York zwei Musiker besucht, die ganz unterschiedliche Herangehensweisen verfolgen, um ihre Kreativität anzutreiben: den Pianisten Fred Hersch und den Saxofonisten James Brandon Lewis (S. 58).

Zum Schluss noch kurz der Hinweis, dass die drei von uns kuratierten Konzertreihen weitergehen: „Jazz thing at the King“ mit dem Frank Chastenier Trio am 24. September 2026 in Köln, „Jazz thing at Nica Jazz Club“ mit dem einstigen e.s.t.-Schlagzeuger Magnus Öström und seiner Group am 26. September 2026 in Hamburg und „Jazz thing at Bergson“ mit einem Solokonzert des Ausnahmetubisten Daniel Herskedal am 4. Oktober 2026 in München.

Viel Freude mit dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Axel Stinshoff
Chefredakteur Jazz thing & Blue Rhythm

Text
Axel Stinshoff
Foto
Arne Reimer

Veröffentlicht am unter 165, Heft