Chris Potter
Alive With Ghosts Today
Edition/H'Art
PRO

Reinhard Köchl
KONTRA
Ist Redundanz eine Kunst? Der Meister der kreativen Mitte Chris Potter versteht es auf seinem Album mit dem unfreiwillig sinnstiftenden Titel „Alive With Ghosts Today“ auf beeindruckende Weise, sich ohne Richtungssinn durch ein Vakuum zu navigieren. Dass er trotzdem ans Ziel gelangt, verdankt er Mitstreitern wie Bill Frisell und Geigerin Sara Caswell. In besseren Momenten klingt es wie eine Outtake-Sammlung von Frisell, doch Potter selbst verschanzt sich derart unbeirrbar in der neutralen Zone, dass man sich immer wieder fragen muss, was da überhaupt aus den Boxen rinnt. Ach ja, Chris Potter, wer sonst! In seinen solistischen Momenten wirkt es einmal mehr, als wolle er unbedingt Augenhöhe mit Michael Brecker sicherstellen. „Alive With Ghosts Today“ ist kein schlechtes Album, aber auch kein gutes. Es ist Jazz in Beige. Man kann es gar nicht so schnell hören, wie man es wieder vergisst.
Wolf Kampmann





