Kaum ein anderer Saxofonist veröffentlicht mit derart hoher Schlagzahl Platten wie James Brandon Lewis. Seine kontinuierlichste Band ist das Quartett mit Pianist Aruán Ortiz, Bassist Brad Jones und Drummer Chad Taylor, mit dem er eine coltraneske Haltung der mittleren Sixties vertritt. Frei, aber nicht ausufernd, spirituell, aber nicht esoterisch, hymnisch, aber nicht pathetisch, mit Respekt vor der Tradition, aber nicht altbacken. Hier geht es weniger um Konzepte als um die Freude am Spiel. Diese Band treibt keinen großen konzeptionellen Aufwand. Sie gibt sich voll und ganz den Anforderungen hin, welche jedes Stück selbst stellt, lässt sich treiben und treibt zurück. Die Songs sind voller Spannungs- und Tempowechsel, überraschenden Brüchen und hypnotischen Husarenritten. In einigen Tracks verblüffen Lewis und Co. mit dezenten Anleihen an die 1930er und ‚40er-Jahre, die sie dann über die Sixties in die Gegenwart führen. Der pointierte Zusammenhalt der Rhythmusgruppe ist famos, sodass James Brandon Lewis leichtes Spiel hat.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 03. Sep 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews