Was für eine Besetzung: ein Jazzpiano-Trio, ein klassisch anmutendes Streichtrio mit Violine, Cello und Klavier plus drei Vokalist/-innen, deren Timbres grundverschieden sind. Der Albumtitel deutet es in gewisser Weise bereits an, dass Julia Hülsmann einen Strang aufgreift, der lange Zeit liegen geblieben ist. Mit Textvertonungen wurde sie vor rund 25 Jahren international bekannt. Spielte sie diese damals mit ihrem Trio plus Sänger/-innen ein, so hat sie mit ihrem Oktett eine größere Farbpalette zur Hand. Ihr geht es nicht um bloße Textexegese. Versrhythmus und Silbenklang der Textvorlagen überträgt sie in Akkorde, Melodien und Rhythmen, Interpretation ist bei ihr Transformation des Wortsinns in den Klang von Musik. Kontraste sind dabei ebenso Mittel ihrer Wahl wie das Überwinden von Gräben oder das Verweisen auf ästhetische Diversität. Dabei kommt ihr die dramatische Theatralik eines Michael Schiefel, das emotionale Verschleifen von Tonhöhen einer Aline Frazão oder die kristaline Transparenz einer Live Maria Roggen zugute. Ausdrucksvielfalt der Stimmen und die Interaktion der Instrumentalistinnen als Imagination einer freien und friedlichen Gesellschaft? Warum auch nicht.
Text
Martin Laurentius
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 12. Mrz 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews