Lang ist’s her, dass die Downtown-Avantgarde-Jazz-Szene in New York regelmäßig Alben produzierte, die mit sämtlichen Konventionen brachen, oft hart an den Grenzen des guten Geschmacks entlangschlidderten, laut, schrill und unbekümmert waren. Kein Grund, traurig zu sein, denn es gibt ja WOBBLE8 mit einer herrlichen Krachmacher-Bande aus Berlin und Leipzig. Drummer Valentin Schuster, Bariton-Saxofonistin Sofia Salvo, Tastenmann Sebastian Pfeifer sowie Bassist und Vocal-Extremist Dan Peter Sundland geben sich alle Mühe, ein krudes Gebräu zu mixen, das den Namen Fake-Jazz allemal verdient hätte. John Zorn, Arto Lindsay, Fred Frith, James Chance, David Moss und wie sie damals alle hießen, hätten es keinesfalls besser hinbekommen. WOBBLE8 zuzuhören macht genauso viel Spaß wie Kindern beim Sandburgbauen zuzuschauen. Konstruieren ist eine feine Sache, aber alles mit Lust und Laune wieder einzureißen noch eine viel bessere. Dieses Album ist der Soundtrack zum kreativen Wutanfall.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 02. Nov 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews