Sullivan Fortner

Leave That In There

Artwork Records/PIAS

PRO

Sullivan Fortner – Leave That In There (Cover)So oft hat man das nicht: Man hört einen Künstler, spürt seine Persönlichkeit in allen Stücken eines Albums, meint aber, verschiedene Musiker zu erleben. Sullivan Fortner ist so ein All-in-one-Artist, vollständig bereits in seiner Ausdrucksform und dabei jemand, dem man noch vieles zutraut. „Leave That In There“ veröffentlicht er mit Bassist Tyrone Allen II und Schlagzeuger Kayvon Gordon. Fortner spielt Orgel, Rhodes, verschiedene Synthies, wechselt die Stile von klassisch opulentem Piano über psychedelisch polyrhythmische Passagen bis hin zu komplex verschachteltem Post-Funk oder Avant-Gospel, durchzogen von Andeutungen und Verbindungen zu Jahrzehnten Pianogeschichte. Es ist ein irres, energiekommunikatives Programm, afro-urban-futuristisch und zugleich persönlich.
Ralf Dombrowski

KONTRA

Sullivan Fortner ist derzeit in aller Munde, und das hat seinen Grund. Er ist ein netter Kerl, der nette Musik macht. Nichts, was daran stören würde oder störend wäre, nichts woran man hängenbleiben oder sich stoßen könnte. Es flutscht ohne Ende und macht dabei auch überhaupt nichts, dass das Material auf dem neuen Trioalbum weder zusammenpasst noch ein Gravitationszentrum hat. Es klingt wie ein Newcomer, der seinen ganzen Katalog an Möglichkeiten ausbreitet, um niemanden zu verprellen. Keine Frage, Sullivan Fortner ist ein großartiger Pianist, aber warum muss er sich dann derart weit ins Hinterland des Mittelmaßes zurückziehen? So bleibt nichts als ein zusammenhangloser Fusion-Postbop-Ambient-Ethno-Jazz-Bauchladen, der zwar gut rein-, aber ebenso schnell wieder rausgeht.
Wolf Kampmann

Text
Ralf Dombrowski, Wolf Kampmann
, Jazz thing 165

Veröffentlicht am unter Reviews

Jazzik Electrolights