Marta SanchezWir haben schon einiges über die 46. Ausgabe des traditionsreichen Jazzfestivals im österreichischen Saalfelden vom 20. bis 23. August geschrieben – online in den News, aber auch auf den Live-Thing-Seiten im gedruckten Heft. Zum Beispiel, dass die junge Wiener Saxofonistin Yvonne Moriel in diesem Jahr die Aufgabe übernimmt, mit einer eigens geschriebenen Komposition, „Strange Motion“, und zusammengestellten Formation das Programm auf der Mainstage im Kongresszentrum von Saalfelden zu eröffnen. Oder über das Chicago Underground Duo mit Rob Mazurek (Trompete) und Chad Taylor (Drums), das aus den USA nach Saalfelden reisen wird; genauso wie das Quartett Yeah NO um den Saxofonisten Christ Speed oder dessen Instrumentalkollege Darius Jones, der in einem Quintett auf den japanischen Gitarristen Otomo Yoshihide treffen wird.
Doch das Programm in Saalfelden im Salzburger Land ist seit jeher mehr als nur eine Liste mit Namen bekannter Musiker:innen, die jedes Jahr am dritten Augustwochenende in diese Ortschaft in einem Talbecken zwischen dem Steinernen Meer im Norden, den Leoganger Steinbergen im Westen und den Hohen Tauern im Süden mit ihrem Gletscher kommen. Kürzlich haben Daniela Neumeyer (Produktionsleitung) und Mario Steidl (künstlerische Leitung) das vollständige Programm ihres diesjährigen Festivals bekannt gegeben. Die Hauptbühne teilen sich wieder Musiker:innen und Bands von überall her – wie beispielsweise das Henriette Eilertsen Trio, das Marta Sanchez Quintet, ein Duo mit Andreas Schaerer und Daniel Garcia, das Trio DLW mit Christopher Dell (Vibrafon), Christian Lillinger (Drums) und Jonas Westergaard (Bass), das mit der Pianistin Tamara Stefanovich zusammenkommt, das Sheen Trio um die Klarinettistin Shabnam Parvaresh oder das Dag Magnus Narvesen Oktett.
DaughterDaughterWie jedes Jahr lohnt sich ein Blick hinüber zu den anderen Bühnen und Spielorten in und um Saalfelden. Da sind natürlich die „Short Cuts“ im Kunsthaus Nexus, diesmal etwa mit DaughterDauther unter anderem mit Camila Nebbia (Saxofon) und Elisabeth Coudoux (Cello), Sauvages Paradis um den Pariser Schlagzeuger Edward Perraud oder Marta Sanchez mit einem unbegleiteten Klaviersolo. Da ist das Industrieambiente in der Otto-Gruber-Halle, die auch diesmal wieder Ort für ausgiebige Klangexperimente sein will – zum Beispiel mit dem Trio Mel*E und einem gleichermaßen druckvollen wie fragilen Sound, mit dem Quartett Skibeck und einem ganz undeutschen „Kartoffel-Rap“ mit knarzenden HipHop-Prog-Rock-Techno-Grooves oder dem Quartett WOBBLE8 um den Schlagzeuger Valentin Schuster und einem energetisierenden Changieren zwischen Punk-Jazz und Kammermusik.
Shake StewVor zehn Jahren hatte der Bassist Lukas Kranzelbinder die Aufgabe, das Festival zu eröffnen. Seine damals zusammengestellte Band Shake Stew hat seitdem eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen geschrieben. Klar, dass in Saalfelden der zehnte Geburtstag gefeiert werden muss – mit einem zum Festival konzipierten Großprojekt „The Big Shake – A Saalfelden Homecoming“. Und der Bassist wird auch wieder eine „We Hike Jazz“-Tour rauf in die Berge anführen. Überhaupt ist die Natur rund um Saalfelden ins Programm eingebunden. So gibt es auch dieses Jahr wieder zwei Almkonzerte, und die Einsiedelei oberhalb vom Schloss Lichtenberg wird von Chris Speed (Saxofon) und Cuong Vu (Trompete) kontemplativ-spirituell bespielt.
Eine besondere Klanginstallation zieht sich über die Festivaltage. Mit „WAS___“ präsentieren MMM (Maja Osojnik, Mathia:s Lenz und Matija Schellander) den Auftakt einer auf zehn Jahre angelegten Raum- und Klangreise. Ausgangspunkt ist eine 66 Meter lange, grafische Partitur, die weniger als abgeschlossenes Werk, sondern als offenes und sich veränderndes System verstanden wird. Drucktechniken, Tonbänder, Lautsprecher und performative Eingriffe verbinden sich zu einer Versuchsanordnung zwischen Installation, Konzert und akustischer Spurensicherung. Gäste ergänzen und erweitern diese ungewöhnliche Performance – wie zum Beispiel die Schlagzeuger:innen Sun-Mi Hong, Judith Schwarz und Lukas König. Alle Infos und das komplette Programm finden sich auf der Festivalwebsite.