RIP: Ingo Hug

Ingo HugIngo Hug1989 gründeten sieben Studierende in Ellwangen den Verein Kunterbunt, um das kulturelle Angebot in der Region am Rand der Schwäbischen Alb östlich von Stuttgart zu bereichern. Im Mittelpunkt standen Konzerte mit Jazz-, Blues-, Funk- und Soul-Acts, gleich im ersten Jahr holte man unter anderem Tania Maria, Eddie Harris, Heinz Sauer oder Jasper van’t Hof in den Ostalbkreis. 1991 kam der Umzug ins benachbarte Aalen – dort sei das kulturelle Klima aufgeschlossener gewesen, hieß es. An seinem neuen Standort landete dieser umtriebige Kulturverein sofort einen Coup, als man Miles Davis für ein Konzert verpflichten konnte. Daraufhin entschloss sich der Verein, ein eigenes Jazzfestival an den Start zu bringen. 1992 hatte das Aalener Jazzfest seine Premiere, das seitdem jedes Jahr Anfang November stattfindet. Schon die erste Ausgabe mit den Brecker Brothers, Maceo Parker, Mario Bauza und der SDR Bigband machte deutlich, dass man Jazz mit all seinen Spielarten und Fusionen eine Bühne geben will.

Treibende Kraft sowohl im Verein als auch als künstlerischer Leiter des Jazzfests war von Anfang an Ingo Hug. Es ist seiner Expertise (und seiner Vernetzung in der Jazzszene) zu verdanken gewesen, dass internationale Größen den Weg nach Aalen gefunden haben – wie zum Beispiel Archie Shepp und David Murray, Hiram Bullock und Jim Hall, Herbie Hancock, Roy Hargrove und Dianne Reeves, David Sanborn, B.B. King, Ray Charles, Marcus Miller, Joey Alexander, Cécile McLorin Salvant, usw. usf. Unter seiner Leitung wurde das Jazzfest rasch eine fixe Koordinate auf der Weltkarte des Jazz. Das war auch deshalb möglich, weil sich die Stadt Aalen, der Verein Kunterbunt und Hug mit ihrem jeweiligen Engagement so gut ergänzten.

2017 wurde Hug mit der Großen Ehrenplakette in Silber seiner Heimatstadt ausgezeichnet. „Das Jazzfest ist mitten in der Stadt, statt am Rande“, sagte Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler beim Festakt. Er verwies darauf, dass der Beschluss, die höchste Auszeichnung der Stadt an den „Kulturmacher mit einer Strahlkraft über die Region hinaus“ zu vergeben, einstimmig gewesen sei, und beschrieb den Ausgezeichneten als umtriebig und knorrig. Einer der Laudatoren war der Sänger Peter Fessler, selbst oftmals Gast beim Jazzfest, der über „Jazzfest“, „Aalen“ und „Ingo Hug“ ausgiebig scattete. Hug blieb in seiner Dankesrede bescheiden: Er nehme die Plakette stellvertretend für alle aus dem Verein Kunterbunt und rund um das Jazzfest entgegen.

Wie Kunterbunt vergangene Woche mitteilte, ist Ingo Hug am 28. Mai unerwartet gestorben. Das 35. Aalener Jazzfest vom 4. bis 8. November in diesem Jahr (unter anderem mit dem Anke Helfrich Trio, dem Trompeter Till Brönner als Gast im Trio des Pianisten Frank Chastenier oder der WDR Big Band und der Group des Snarky-Puppy-Gitarristen Mark Lettieri) findet ebenso in Andenken an seinen künstlerischen Leiter statt wie das Konzertprogramm in The Room, einem Konzertraum in der Innenstadt Aalens, der 2024 mit auf Hugs Initiative eröffnet worden ist.

Weiterführende Links
Aalener Jazzfest

Text
Martin Laurentius
Foto
Tom Ziora

Veröffentlicht am unter News

Applaus 2026