Pat Metheny

Side-Eye III+

Uniquity Music

PRO

Pat Metheny – Side-Eye III+ (Cover)Er ist wieder da. Wer in den letzten anderthalb Jahrzehnten das Vertrauen in Pat Methenys Klangarchitektur verloren hat, braucht auf „Side-Eye III+“ nur wenige Momente, um sich in die großen Tage der Pat Metheny Group zurückgebeamt zu fühlen. Mit Keyboarder Chris Fishman und Drummer Joe Dyson sowie den Gästen Brandee Younger (Harfe), Daryl Johns und Luis Conte (Percussion) holt er zu jener epischen Weite aus, die einige seiner schönsten Alben auszeichnete. Vor allem Tasten-Allrounder Fishman aus dem Umfeld von Thundercat und Flying Lotus ist ein Lichtblick in Methenys Band, der zwar (noch) nicht den Verlust von Lyle Mays wettmachen kann, den Gitarristen aber wieder zu klanglichen und melodischen Höchstleistungen anspornt. „Side-Eye III+“ lässt wieder jene ungezügelte Fabulierlust und Lebensfreude erkennen, mit der Metheny einst Schlagzeilen machte.
Wolf Kampmann

KONTRA

Ist man ein Gitarrengott, erwartet die Gefolgschaft mindestens Weissagungen, wenn nicht gar Wunder. Will der Gott aber einfach nur spielen, wohlwollend umkränzt von seinen Jüngern, dann stellt sich ein wenig Ernüchterung ein. Echt? Ein weiteres Pat-Metheny-Album, wie es schon so viele gab? Eine Neuauflage der Sound-Ideen von der Metheny Group bis hin zu einer Prise Orchestrion, mit seltsam unentschlossen eingesetzten Chören im Hintergrund als Klangecho der improvisierenden Melodie-Mäander? Klar beherrscht jeder auf „Side-Eye III+“ sein Handwerk, der eloquente Drummer Joe Dyson, der elegante Bassist Jermaine Paul und auch der unscheinbare Keyboarder Chris Fishman! Aber der Funke springt nicht über. Dem Olympier fehlt der Herausforderer, der ihn im Wettstreit womöglich über sich hinauswachsen lässt. So ist „Side-Eye III+“ himmlisches Gedudel ohne höllischen Biss.
Ralf Dombrowski

Text
Wolf Kampmann, Ralf Dombrowski
, Jazz thing 163

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