Es ist ein reizvolles, betörendes Format, diese Frauenstimme, die sommerlich flirrende akustische Gitarre und die Songs aus dem brasilianischen Sprachraum; gerne gebucht, oft kopiert. Aber selten kriegt das in unseren Breitengraden jemand so authentisch hin wie Elsa Johanna Mohr und Flávio Nunes. Die Kölner Vokalistin und der in Deutschland lebende Saitenzupfer aus São Paulo wirken auf „Em Julho“ („Im Juli“) noch einen Tick eingespielter und selbstverständlicher als auf ihrem beachtlichen Debüt „Passadinha“, das der „Jazz thing Next Generation“-Reihe Anfang 2023 ein Samba-Krönchen aufsetzte. Was zum einen an den frappierenden Sprachkenntnissen von Mohr liegt, die wegen ihres Studiums mitunter ein besseres Portugiesisch aufzuweisen hat als so mancher Brasilianer. Damit singt sie nicht nur Klassiker wie Jobims „Corcovado“ oder eigene Stücke wie „Beijo Da Lua“, sondern lebt sie im allerbesten Wortsinn. Und Nunes sollte man spätestens nach seiner feinen, unspektakulären Fingerarbeit auf diesem Album als eine der ersten Adressen an der Bossa-nova-Gitarre unbedingt auf dem Zettel haben.
Text
Reinhard Köchl
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 10. Sep 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews