XJAZZ!: Erneute Absage

Sebastian StudnitzkySebastian StudnitzkyFörderelend und kein Ende: Nachdem die zwölfte Ausgabe von XJAZZ! im Mai 2026 bereits abgesagt werden musste, ist nun auch der Notfallplan im Oktober gescheitert – aus demselben Grund. Es fehlen Fördermittel in Höhe von 150.000 Euro der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, was ungefähr die Hälfte des Budgets ausmacht. Der Vorverkauf für das Festival vom 9. bis 11. Oktober wurde eingestellt. Im Mai konnte das Festival nur in einer minimalen Rumpfversion als Weekender stattfinden, nachdem die Senatsverwaltung die bewilligten Fördermittel wegen Verstößen gegen die Regeln der Haushaltsförderung nicht freigegeben hatte. Dem folgte, wie der XJAZZ!-Gründer, der Trompeter Sebastian Studnitzky in einem Interview mit Radio 3 vom rbb berichtete, eine umfassende Prüfung, die nun aber zu einer Absage des Förderungsantrages für die Durchführung im Oktober führte.

In einer Presserklärung schreibt der künstlerische Leiter Studnitzky: „Das XJAZZ! Festival 2026 vom 9. bis 11. Oktober findet nicht statt. Die eingeplante Förderung durch die Senatsverwaltung für Kultur des Landes Berlin wurde am 1. September 2026 kurzfristig abgelehnt. Eine kleinere Festivalversion ließ sich so kurzfristig nicht seriös planen und vorbereiten. Ticketkäuferinnen und Ticketkäufer werden in Kürze direkt darüber informiert, wie mit ihren Tickets verfahren wird.“ Noch im Juni hat die Staatssekretärin für Kultur, Cerstin-Ulrike Richter-Kotowski, in einer öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus Hoffnung auf eine Klärung des Konflikts gemacht.

Die Ablehnung des erneuten Förderantrags trifft die Veranstalter entsprechend hart. Die unüberwindbare Hürde besteht in dem Widerspruch zwischen der für solche Veranstaltungen notwendigen, langfristigen Planung und den im Vergleich kurzen Fristen bei der Antragsstellung. In der Regel schreibt die Förderordnung vor, dass die Durchführung erst mit Bewilligung der Fördermittel beginnen darf, was Veranstalter:innen vor allem bei Miet- und Booking-Verträgen zum Teil vor unlösbare Aufgaben stellt. Im rbb-Interview stellte Studnitzky fest: „Die verbindlichen Förderbescheide kamen in den letzten Jahren regelmäßig viel zu spät, teilweise erst Tage vor der Durchführung, was das Festival jedes Jahr an die Grenze der Absage geführt hat. Und dann kam die Förderung in einem Förderkonstrukt, das so unfassbar starr ist, dass so spätes Onboarding der Förderung zwangsläufig zu förderwidrigem Verhalten führt.“

Auf die Frage nach dem Grund für die Ablehnung des Förderantrags teilte die Pressestelle der Senatsverwaltung für Kultur des Landes Berlin mit: „Der Förderantrag des XJAZZ! Festivals für die Edition 2026 musste nach intensiver wohlwollender Prüfung leider abgelehnt werden. Die Senatskulturverwaltung folgt bei der Mittelausreichung jederzeit den normativen Vorgaben der Landeshaushaltsordnung (LHO). Nach intensiven Gesprächen mit dem Veranstalter wurde durch die Senatskulturverwaltung eingehend nach LHO-konformen Möglichkeiten gesucht, wie und ob in 2026 dennoch eine Förderung erfolgen kann. Hierzu wurde vertieft geprüft, ob eine Bewilligung unter Auflagen möglich wäre. Selbst bei maximaler Ausschöpfung des verfügbaren Ermessensspielraumes führte dies – trotz zunächst positiver Verfahrensperspektive – letztlich leider unzweifelhaft zu keinem mit der LHO vereinbaren Ergebnis.“

Wenn die Absage im Mai für die Veranstalter schon eine wirtschaftliche Katastrophe darstellte, ist mit dem aktuellen Kataklysmus wohl der „Extinction Level“ erreicht. Und das bei einem mit von Beginn an ausverkaufen Konzerten äußerst erfolgreichen Festival, in dem zwölf Jahre Herzblut stecken, und das nun gewissermaßen ein Fallbeispiel für kulturpolitische „Zerförderung“ darstellt.

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Text
Eric Mandel
Foto
Joanna Wizmur

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