Cecil Taylor mochte es gern großformatig. 2004 gab er im New Yorker Jazzclub Iridium mit großer Besetzung innerhalb von sechs Tagen 14 Konzerte, die jetzt vollständig dokumentiert werden. Braucht man das? Wenn man es mit einem Mal weghören soll, definitiv nicht, denn wer hätte schon die exakt 16 Stunden Zeit. Aber wenn man Geduld walten lässt, sich vielleicht jede Woche einen Set vornimmt und diesem dann Gelegenheit gibt, sich in den Abgründen von Wahrnehmung und Erinnerung zu verstetigen, betritt man eine Kathedrale der Intentionen, die in diesem Fall ein bisher weitgehend unbekanntes Bild von Taylor freilegt. Seiner 14-köpfigen Formation gehören viele herausragende Improvisatoren an, doch Taylor denkt nicht in unendlichen Freiräumen, sondern verbindet Tanz mit Architektur. Er war vermutlich immer formalistischer als es den Anschein hatte, doch selten zuvor kam diese Seite seines Schaffens so offen zutage wie in dieser viel zu spät veröffentlichten 14-CD-Box. Wofür andere Musiker und Komponisten ein ganzes Leben brauchten, schafft Taylor in sechs Tagen.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 17. Sep 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews