Live-Tipp: Jason Moran in Deutschland

Jason MoranJason MoranNicht zum ersten Mal beschäftigt sich Jason Moran mit einer Größe aus der Historie des afroamerikanischen Jazz. Mit seiner modernen Lesart des Townhall-Konzerts von Theloniuos Monk 1959 zum Beispiel setzte der 1975 in Houston geborene Pianist diesem kauzigen Bebop-Revoluzzer ein einmaliges Denkmal. Aber auch der Pianist Fats Waller stand schon einmal im Mittelpunkt seines Interesses, ebenso wie der Bandleader James Reese Europe, der am Ende des ersten Weltkriegs mit der Band seines Regiments, den ausschließlich mit afroamerikanischen Soldaten rekrutierten Harlem Hellfighters, den Jazz nach Europa gebracht haben soll.

Jetzt also Duke Ellington, 1899 geboren und 1974 gestorben. Diesem legendären Bandleader, Komponisten und Pianisten, der im Laufe seiner Karriere mehr als 2.000 Kompositionen dem Jazzkanon beifügte, dessen Arbeit mit seinen verschiedenen Orchestern oftmals stilbildend wurde in den unterschiedlichen Jazzepochen, und der als Pianist mit seiner liedhaften Improvisationskunst zwar unterschätzt blieb, aber vielleicht deshalb unerreicht war: Ihm gilt momentan das Interesse Morans.

Sein neues Album trägt demnach den schlichten Titel „Jason Moran plays Duke Ellington“. Darauf nähert sich Moran ausschließlich vom Piano her dieser historischen Größe an. „Dukes Musik ist zu wichtig, um sie einfach nur zu spielen“, sagt er. „Ich habe mich meine ganze Karriere lang mit ihm beschäftigt, um ihm gerecht zu werden.“ Für Moran ist das Klavier eine Art Katalysator, mit dem er etwas schon Existierendes in etwas Neues und Eigenes transformiert. Interpretation bedeutet für ihn eben nicht, Musik von Ellington einfach nur notengetreu nachzuspielen. Vielmehr heißt interpretieren, durch eigene Beiträge etwas Vorhandenes mitzugestalten und so „den“ Duke in die Gegenwart zu überführen. „Ich stelle mir Ellington gerne als jemanden vor, der stets in die Zukunft gestrebt ist“, so Moran.

Sein Ellington-Programm stellt Moran zurzeit live in Europa vor. Bevor er am 7. Oktober solo im Kölner Stadtgarten zu hören ist, tritt er heute Abend in der Elbphilharmonie in Hamburg auf. Nach Station im Bimhuis in Amsterdam kommt er am 9. Oktober nach Berlin in den Zig Zag Jazz Club, am 14. Oktober nach Ludwigshafen zu Enjoy Jazz und am 21. Oktober nach Leipzig auf die Jazztage.

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Jason Moran

Text
Martin Laurentius
Foto
Bolade Banjo

Veröffentlicht am unter News

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