Doppeljubiläum: Bunker Ulmenwall

Omer Klein & The PoeticsOmer Klein & The PoeticsUrsprünglich war es ein gepanzerter Keller, der 1939 als Sanitätsbunker am Fuß des Bielefelder Sparrenbergs gegen mögliche Luftangriffe gebaut worden war. Nach Ende des zweiten Weltkriegs teilten sich anfangs Jugendgruppen mit einem Puppentheater dieses Bauwerk, in dem sich dann 1956 die Bielefelder Jazzszene heimisch machte. Der Bunker Ulmenwall wurde von da an vom Jugendamt der Stadt Bielefeld betrieben und finanziell ausgestattet, um 1996 in die Trägerschaft des neu gegründeten Vereins Bunker Ulmenwall überführt zu werden. Auch wenn sich durch diesen Wechsel die institutionellen Rahmenbedingungen für diesen Ort in Bielefeld veränderten, inhaltlich und strategisch blieb man beim langjährig Erprobten.

Vom Selbstverständnis war der Bunker Ulmenwall stets auch ein soziokulturelles Zentrum, in dem die Menschen im Viertel und der Stadt Bielefeld zusammenkamen, um die oftmals niedrigschwelligen kulturellen Angebote zu besuchen. Gleichzeitig ist der Bunker immer schon ein Ort für Musik gewesen: zum einem als Zentrum für die lokale Szene, zum anderen als Bühne für Konzerte mit nationalen und internationalen Größen des Jazz und der improvisierten Musik. Aber es mussten auch Krisen bewältigt werden. 2013 sollte der Bunker Ulmenwall dem Kulturbereich zugeordnet werden, was bedeutet hätte, dass er Projektmittelantragsteller ohne eigene Finanzmittel geworden wäre. Vergangenes Jahr gab es erneut eine existenzbedrohende Krise, die der Bunker Ulmenwall mit einer Crowdfunding-Kampagne gerade noch abwenden konnte. „Dadurch haben wir viel Aufmerksamkeit und Solidarität erfahren“, so die zweite Vorsitzende Merle Meuleneers, „was uns als Team viel Energie gegeben hat, um weiterzumachen.“

Gut so, denn 2026 gibt es ein Doppeljubiläum zu feiern: 70 Jahre Kulturzentrum Bunker Ulmenwall und 30 Jahre Förderverein. Und dieses Doppel will der Bunker gleich zweifach begehen. Den Anfang machen die Bielefelder Tastentage Mitte Oktober. Den Startschuss gibt es am 15. Oktober mit Nik Bärtsch Ronin und Schwarzbrand aus Bielefeld, gefolgt von triosence und Jona Hahn als lokalen Act am 16. sowie dem Lambert Trio und Mishela Steiner am 17. Oktober. Für das richtige Geburtstagskonzert am 27. November steigt man aus dem unterirdischen Bunker hoch an die Oberfläche und zieht in den Großen Saal der Rudolf-Oetker-Halle. Dort wird das lokale Jazztrio NE-K, das seit Jahren eng mit dem Bunker Ulmenwall verbunden ist, den Auftakt machen, bevor der in Frankfurt lebende, israelische Pianist Omer Klein mit seinem aktuellen Sextett The Poetics die Bühne betritt, um eine improvisierte Musik zu spielen, die zwischen einer klangfarbenprächtigen Improvisationsmusik und dem US-amerikanischen Jazz changiert.

Weiterführende Links
Bunker Ulmenwall

Text
Martin Laurentius
Foto
Salae Baygan & Luciano Cagliardi

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