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Pit Huber

„Zieh lieber mit uns fort“, sagte der Esel, „wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall. Ich spiele die Laute, er schlägt die Pauken, du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so wird es wohl gehen.“
 
Also zogen sie wieder nach Bremen Ende April. Die Musikanten, die Labelmacher, die Agenten, Journalisten, Vertriebsleute, Veranstalter, Fans. Ein seltsames Gefühl im Bauch hatten sie allerdings schon. Wegen der Krise natürlich. Würden die anderen nur jammern? Würde man selber mitjammern, womöglich noch lauter jammern? Oder würde man sehr tapfer sein? Es war dann aber alles ganz einfach: Man war nur ehrlich zueinander.
 
„Krise? Welche Krise?“, sagte die Frau vom Label. „Ist doch nichts Neues. Wir sind doch schon seit Jahren in der Krise.“
 
„Ich habe vom Aufschwung nix mitgekriegt“, sagte der Musiker. „Wenn ich von der Krise genauso wenig mitkriege, ist ja alles okay.“
 
„Also, Sponsoren können mir keine abspringen“, sagte die Veranstalterin, „ich hab‘ nie welche gehabt.“
 
Keine Krise also. Das wirft natürlich die Frage auf, ob es sich denn bei der Jazzahead! überhaupt um einen Business-Event handelt. Werden da ernsthafte Geschäfte gemacht, knallharte Deals ausgehandelt, womöglich sogar richtige Verträge unterschrieben?
 
„Alle sind hier total nett zueinander“, sagte der Journalist. „Ich konnte dieses Jahr so schön mit jedem plaudern. Das ist wie eine Riesenparty unter Freunden.“
 
„Es ist das einzige Klassentreffen, zu dem ich gehe“, sagte der Booker.
 
„Wir sinken doch alle in einem Boot“, sagte die Vertriebsfrau.
 
So war das also. Die Jazzszene zog nach Bremen auf große Schmusefahrt. Alle mögen sich, alle können miteinander, wir sind eine große Familie, Küsschen links und Küsschen rechts, noch ’nen Kaffee mit dir und eine Zigarette auf dem Balkon, die Sonne scheint heute so schön, die Medien berichten so nett, die Kinder sind auch versorgt. Im Catering-Bereich sah man sogar schon die erste knuffige Krabbelgruppe auf grauer Auslegeware. Beim Jazzkuscheln.
 
Nicht alle Musikmessen verlaufen so problemlos. Bei der Midem zum Beispiel wurde inoffiziell von 30 Prozent Rückgang gesprochen. Leere Ausstellerflächen, leere Cafés, kein Happy-Hour-Ausschank an den Ständen, lange Gesichter, verbissene Gespräche. Dabei gäbe es auch in Cannes richtig schöne Kuschelecken. Die Jazzahead! ist ein Modell für die Zukunft.
 
Pit Huber

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1 Kommentar zu „Jazzkuscheln in Bremen“

  1. Ich war (als „Fan“ – was immer das auch ist) zum ersten Mal bei Jazzahead! dabei – mit meiner Frau, die nicht so Jazz-affin ist (naja – als ich sie kennenlernte, hatte sie eine Pharao-Sanders-CD in der Hand – an SOOOOO einer Frau konnte ich einfach nicht vorbei): Wir beide haben Jazzahead! und viel gute Live-Musik dort genossen; und dann hat mir der nette Mann (am späterhin früh verwaisten!) JazzThing-Stand ein hübsches JazzThing T-Shirt verehrt – bleibende Werte aus Bremen. Jazzahead – wir haben es bereits fürs nächste Jahr auf dem Programm.

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