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Lili Lameng

Eine Gala ist eine schillernde, mitreißende Veranstaltung. Strahlende Gesichter, der Duft von teurem Parfüm, elegant gekleidetes Publikum, Gelächter, perlender Champagner in langstieligen Gläsern. Es wird getanzt. Gekonnt bewegen sich die Paare zum Klang der Musik. Das ist das innere Bild, das das Wort in mir heraufbeschwört.

Eine Silvestergala muss fast zwangsläufig eine Steigerung einer einfachen Gala sein: Noch mehr gute Laune, noch rauschender das Fest, noch feiner die Speisen.

Zur letzten Jahreswende half ich bei einer Tanzband aus, die sich dem Swing verschrieben hat. Die Anfrage kam sehr kurzfristig, Silvestergala! Ich hatte ein früheres Angebot einer anderen Band ausgeschlagen, in der Hoffnung, dass ich schon noch einen besser bezahlten Gig für Silvester fände. Dem war nicht so. Ich lerne noch. Die Tanzband brauchte angesichts der Kurzfristigkeit außer mir noch andere Aushilfen, auch die Sängerin war zum ersten Mal dabei. Also: Geprobt wurde auch. Ein Tanzprogramm. Denn die Leute sollten sich beim Tanz so richtig austoben können und mit uns das rauschendste aller Feste erleben.
Ort des Geschehens sollte ein von der Schließung bedrohtes Theater sein, Auftraggeber waren die Damen vom Vorstand des Vereins, der sich der Rettung des Theaters widmet.

Am Silvesterabend fanden wir schließlich den Eingang zu unserer Spielstätte. Die Technikfirma fand es nicht wichtig, pünktlich zu sein. Wir bauten auf. Auf der Bühne. Im Theatersaal. Wo sollte getanzt werden? Zwischen den samtbezogenen Theatersesseln? Die Vorstandsdamen fragten verwundert, ob wir nicht um die nun schon vier Jahre währende Tradition der Silvesterkonzerte in ihrem Theater wüssten. Nein. Das war uns trotz aller Kulturbeflissenheit entgangen. Nicht Tanz, Konzert war gefragt. Bei einer Gala wird auch nicht zwangsläufig getanzt. Sie ist ein Fest. Und Festefeiern geht auch ohne Tanzen.

Der Techniker erschien dann auch. Nach dem ersten Set wollte er dann weiter, zu „einer großen Galaveranstaltung“. Wir ordneten die Mappen neu. Wir Aushilfen hatten keine Vorräte an bewährten Alttiteln dabei. Exakt zwei Stunden Spielzeit inklusive Chorusse waren im Gepäck – nun auf zweimal eine Stunde verteilt. Der Bandleader würde im Notfall improvisatorisch durch Ansagen strecken müssen.

Die Vorstandsdamen hatten eine Bitte: Ob wir nicht nach Mitternacht noch im Foyer spielen könnten? Nur kurz. Dort stand ein verstimmter Flügel, und das werte Publikum sollte merken, dass der Flügel dringend die finanziellen Mittel für die Stimmung bräuchte. In seiner grenzenlosen Gutmütigkeit stimmte unser Bandleader zu. Wir würden dann ohne Technik, der Schlagzeuger mit kleinem Besteck spielen müssen.

Durch den verzögerten Soundcheck mussten wir nun schnell die Garderobe aufsuchen, um uns umzuziehen. Karg war es. Auch etwas staubig. Keine Getränke zu finden. Nichts zum Händeabtrocknen an den Waschbecken.

Und los ging es. Erwartungsfrohe Gesichter im Publikum. Der Saal nur zu einem Drittel besetzt. Pause. Buffet für die Gäste und auch für uns. Da diese Tanzband Stil hat, hatten natürlich die Gäste Vortritt. Kein Buffet für uns. Nur Soßenreste. In einem schmucklosen Raum drängten sich die Essenden. Klöße, Rotkohl, Geschnetzeltes. Feiern kann man auch ohne Sterneküche. Da muss der Raum auch nicht dekoriert sein. Wir bekamen immerhin Mineralwasser.

Aufgeregt näherte sich eine der Vorstandsdamen: Die Leute äßen gar nicht mehr. – Wie auch, die Soßenreste hatten wir mit den verbliebenen Brotstückchen verzehrt. – Ob wir nicht sofort weitermachen könnten? – Eigentlich nicht. Noch eineinhalb Stunden Tanzmusikkonzert am Stück? Es musste ja bis Mitternacht gehen.

Ging es dann auch. Mit einer kleinen Pause, in der die wichtigere der Damen spontan aus der Geschichte des Vereins erzählte. Wie wohl das Publikum sich die Silvesternacht vorgestellt hatte? Ob alle um die Konzerttradition wussten? Man dankte uns. Wir seien es ja in unserem Beruf – jeden Tag in einer anderen Stadt – gewöhnt, flexibel zu sein.

Es folgte der Einsatz am verstimmten Flügel. Dazu tanzten – aus ihren Sesselreihen befreit – tatsächlich einige Paare. Doch noch Gala? Ich hatte Hunger. Auf die Gage warte ich noch.

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