Kathrin-Preis: Fabian Neubauer

Fabian NeubauerFabian NeubauerSeit 2019 wird alle zwei Jahre in Erinnerung an die 2016 mit nur 44 Jahren gestorbene Saxofonistin Kathrin Lemke der „Kathrin-Preis / Kathrin Lemke Scholarship for Young Jazz Improvisers 2027“ vergeben. Diese Auszeichnung, unter anderem von Lemkes Mutter Irene Lemke-Stein und dem Jazzinstitut Darmstadt gestiftet, beinhaltet eine vollfinanzierte, einwöchige Werkstattphase in Darmstadt, an deren Schluss Preisverleihung und Preisträger:innenkonzert stehen. Bisherige Gewinner:innen waren der Perkussionist Joss Turnbull 2019, die Saxofonistin Luise Volkmann 2021, der Kontrabassist Robert Lucaciu 2023 und die Gitarristin Steffi Narr 2025. Gerade gab das Jazzinstitut Darmstadt den nächsten Preisträger bekannt: der in Wuppertal und Berlin lebende Schlagzeuger, Pianist und Klangkünstler Fabian Neubauer.

Die achtköpfige Jury hob hervor, dass Neubauers „FIELD CONDITION“-Projekt „aus den durchweg exzellenten Projektvorschlägen, die präsentiert wurden, durch seine besondere Vielschichtigkeit und methodische Originalität“ herausrage. Für Neubauer bedeutet sein Stück einen musikalischen Umgang mit besonderen Bedingungen in freier Umgebung: „Ich verstehe Jazz weniger als Stilbegriff denn als Bewegung, die Räume für Eigenständigkeit innerhalb kollektiver Zusammenhänge eröffnet. Seine Relevanz liegt für mich in seiner Fähigkeit, bestehende Konventionen zu hinterfragen und neue musikalische Formen aus unterschiedlichen Einflüssen entstehen zu lassen.“ Mit einem Oktett möchte Neubauer eine Musik entwickeln, in der individuelle Entscheidungen und eigendynamische Prozesse gleichberechtigte Teile des musikalischen Geschehens sind. Ausgangspunkt ist ein Verständnis von Jazz als lebendige Praxis, mit dem bestehende musikalische und soziale Ordnungen neu verhandelt werden.

„FIELD CONDITION“ plant Neubauer gleichermaßen mit klassischen Musikinstrumenten wie mit weiteren Gerätschaften, Hilfsmitteln und Kulturtechniken. „Ich möchte mit Hilfe von Spielanordnungen, verbalem Austausch und Skizzen Situationen erzeugen“, so Neubauer, „in denen Zufall, Abweichung und Gestus wirksam werden. Mich interessiert dabei nicht das Ausführen festgelegter Abläufe, sondern das Aushandeln zwischen Individualität und kollektivem Zusammenhang. Zentral bleibt dabei eine unmittelbare, körperliche musikalische Praxis.“ Die Residenzphase läuft vom 6. bis 13. Juni 2027 in Darmstadt, Preisträgerkonzert und Preisverleihung finden dann am 12. Juni statt.

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„Kathrin-Preis“

Text
Martin Laurentius
Foto
Katharina Geling

Veröffentlicht am unter News

GESOBAU Jazz & Soul Award 2027 Bewerbung