Werke südamerikanischer Ikonen wie Hermeto Pascoal, Milton Nascimento, Astor Piazzolla, eigene Kompositionen, sardische Texte von Paolo Fresu, brasilianische Lyrics von Celsa Vilafora, englische und niederländische Adaptionen von David Linx und dieses typisch Argentinische von Gustavo Beytelmann – welches Ohr hört da noch durch? „Trama Latina“ wurde konzipiert, um kulturelle Räume, Geschichten und Traditionen miteinander zu vereinen, gedacht als Hommage auf Migration und künstlerische Neugier, die Brücken schlagen soll. Ein ambitioniertes Unterfangen, das der Trompeter Paolo Fresu, der Vokalist David Linx und der Pianist Gustavo Beytelmann da auf den Weg bringen, aber trotz allem über das Ziel hinausgeschossen. Denn trotz aller Inspiration und Vielseitigkeit fehlt so etwas wie ein erkennbarer roter Faden. Während Trompete und Klavier luftige Melodieschleifen knüpfen und im minimalistischen Kontext eine zauberhafte südamerikanische Atmosphäre erzeugen, erweist sich ausgerechnet Linx als die Achillesferse. Nicht nur in „My First Love“, wo er wie Charles Aznavour klingen möchte, überschätzt sich der belgische Sänger.
Text
Reinhard Köchl
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 22. Jun 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews