Terry Callier

At The Earl Of Old Town; Live Peace

Time Traveller/Rough Trade; BBE/The Orchard

Terry Callier – At The Earl Of Old Town (Cover)Terry Callier zuzuhören, ist immer ein Genuss. Allerdings könnten diese zwei Live-Aufnahmen des 2012 verstorbenen „Candyman des Folks“ kaum unterschiedlicher sein. Die eine, „At The Earl Of Old Town“, solo aus dem Jahre 1967, bietet leidenschaftlich bis verzweifelte Versionen von Folkklassikern wie „900 Miles“ oder dem „Work Song“ von Nat Adderley und Oscar Brown Jr. eines eben 22-Jährigen im Jahr vor der verbockten Veröffentlichung seines Debüts „The New Folk Sound Of“, das er schon drei Jahre zuvor aufgenommen hatte. Was die Liner Notes als „noisy crowd“ bezeichnen, könnte der Grund für die Verzweiflung im Vibrato sein – das laute Gerede und Geschirrklirren ist rücksichtslos und nervtötend. Die Liner Notes dagegen, etwa von Terrys Tochter Sundiata, sind so herzlich wie ausführlich, dass es fast schon über den Bootleg-Charakter hinwegtröstet. „Live Peace“ auf der anderen Seite, knapp 40 Jahre später aufgenommen, zeigt Callier nicht nur als gut gelaunten Leader seiner sechsköpfigen britischen Live-Band (mit unter anderen Jim Mullen an der Gitarre), es sind auch hochqualitative Versionen, etwa von Callier-Hits wie „What Colour Is Love“, „Love Theme From Spartacus“ oder „Keep Your Heart Right“. Fans brauchen sicher beide, am besten, um die neueren Aufnahmen zu hören und dabei die Begleittexte der älteren zu lesen.

Text
Götz Bühler
, Jazz thing 163

Veröffentlicht am unter Reviews

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