Die Zeiten, in denen Pianist und Keyboarder Wayne Horvitz mit Bands wie The President, Pigpen oder Zony Mash an der Seite John Zorns zu den Krachmachern der New-York-Downtown-Szene gehörte, sind vorbei. Seit mittlerweile einigen Jahrzehnten hat er sich nach Seattle zurückgezogen, um hauptsächlich als Komponist zu arbeiten, der impressionistischen Konzepten folgt. „Music For 10 Musicians“ ist eine wundervolle Suite mit neun seiner engsten Weggefährten aus Seattle. Der Albumtitel täuscht darüber hinweg, dass hier in keinem Stück alle zehn Musikerinnen und Musiker gemeinsam zu hören sind, sondern in den elf kurzen Stücken jeweils Konstellationen zweimal einem und neunmal vier Mitgliedern erklingen. Das sorgt für viel Abwechslung bei dem sehr pastellenen Farbauftrag. Die Stimmung des Albums erinnert ein wenig an das bahnbrechende Opus „Nine Below Zero“, das Horvitz 1986 mit Butch Morris und Bobby Previte aufgenommen hat. Die elf Stücke sind perfekt geformt und die kurzen Improvisationen stets mit viel Fingerspitzengefühl in die Kompositionen integriert. Kammer-Jazz auf höchstem Niveau.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 23. Feb 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews