Wenn die beiden Schweizer Wahl-Berliner Beat Keller und Joke Lanz aufeinandertreffen, bleibt die Kausalität der Vernunft auf der Strecke. Sie definieren Improvisation völlig neu, bauen sich mit Gitarren und Turntables ein ganz eigenes Universum, in dessen weit verzweigtem Wurmloch-Labyrinth nur sie selbst sich auskennen. Dieses Album entzieht sich allen gängigen Kategorisierungen und spielt Pingpong über der Demarkationslinie von Richtig und Falsch. Keller und Lanz bedienen sich, wo immer sie wollen, egal ob es sich um Hildegard Knef oder Jim Morrison handelt, und machen sich einen riesengroßen Spaß daraus. Wenn es überhaupt eine Referenzebene gibt, dann ist es der New Yorker No-Wave vom Ende der Seventies oder der leidenschaftliche Unfug der genialen Dilettanten kurze Zeit darauf in Deutschland. Jeder Ton ist eine Überraschung, jede Silbe eine Provokation, jeder Atemzug ein Mordsgaudi. Hut ab, dass überhaupt noch jemand so unbefangen frei von der Leber weg Musik machen kann.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 15. Okt 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews