Das neue Quartett des polnischen Geigers Adam Bałdych ist eine wahrhaft paneuropäische Angelegenheit: Aus Italien kommt der Bandoneonist Daniele di Bonaventura, aus Frankreich der Kontrabassist Michel Benita, aus Schweden der Pianist Jacob Karlzon. Der Viererbund lotet die musikhistorischen Gemeinsamkeiten des Kontinents aus und landet bei folkloristisch-pulsierenden Weisen („Long Way Home“), Klassik der frühen Neuzeit („Rainbow“) oder einem Satie-Gassenhauer („Gnossienne“). Wichtigstes verbindendes Element ist jedoch eine dunkle Sehnsucht, wie sie sich vor allem in Bałdychs mit reichlich Sfumato gestalteten Tönen auf der Renaissance-Geige artikuliert. Auch wenn der Pole zu verblüffenden Kunststücken auf seinem Arbeitsgerät fähig ist (etwa, indem er seine Geige in ein veritables Perkussionsinstrument verwandelt), bleibt er auf „Endless“ ein Meister des Understatements und der sensiblen Nachdenklichkeit. So wünscht man sich Europa.
Text
Josef Engels
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 21. Sep 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews