Gestorben: Steve Barrow

In den frühen 1990er-Jahren bereiste Barrow intensiv Jamaika, um Interviews mit Reggae-Künstler:innen und Zeitzeug:innen zu führen. Sie bildeten die oralhistorische Grundlage für den von ihm und Peter Dalton verfassten „Rough Guide To Reggae“ 1997, der bis heute ein unverzichtbares Nachschlagwerk ist. Die dabei geknüpften Kontakte waren auch Initiation für das 1994 von Barrow von Simpley-Red-Sänger Mich Hucknall gegründete Label Blood And Fire, das sich auf Roots Reggae und Dub spezialisierte. Barrow legte legendäre Alben von Horace Andy („In The Light“) und The Congos („Heart Of The Congos“) neu auf und stellte Anthologien von King Tubby, Yabby You, Dennis Brown, Jackie Mittoo und Gregory Isaacs zusammen. Dabei setze er nicht nur durch discografische Gewissenhaftigkeit, penibles Mastering und informative Liner-Notes neue Standards für Reggae-Re-Issues. Vor allem war Blood And Fire wohl das erste Label seiner Art, das seinen mitunter hochbetagten Künstlern auch Tantiemen auszahlte. Zum Höhepunkt seiner Aktivität mit Blood and Fire erzählte Barrow im Gespräch, dass knapp zwei Dutzend jamaikanische Familien von ihm Schecks bezogen.
Trotz wiederholter Finanzspritzen durch Hucknalls Band Simpley Red musste Blood And Fire 2014 schließen. Zwischendurch hatte Barrow in Zusammenarbeit mit Cooking Vinyl auch das Label Hot Pot gestartet, dem aber ein noch kürzeres Leben beschieden war. Zu gegebenen Anlässen konnte man ihn noch als Selector des Blood And Fire Sound Systems erleben. Zudem hat er bis zum Schluss Re-Issues und Compilations für Labels wie 17th North Parade und Pressure Sounds betreut. Was seine Verdienste um die Wertschätzung für jamaikanischen Reggae in England und darüber hinaus betrifft, steht er als cooler weißer Mann in einer Reihe mit dem DJ David Rodigan, Radiomacher Steve Barker („On The Wire“) und Pete Holdsworth (Pressure Sounds).






