München: Jazz Sommer

Alfredo RodriguezAlfredo RodriguezOftmals wird dem Jazz eine politische Haltung zugeschrieben. Widerständig soll diese Musik seit jeher sein, die ihre Wurzeln in der Kultur der Afroamerikaner:innen in den USA hat, sie wende sich gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung und sei gleichzeitig ein Zeichen für Hoffnung und Heilung. So steht seit 2023 der Münchner Jazz Sommer im Bayerischen Hof unter einem Motto. Weil es zurzeit den Anschein macht, dass viele Staaten auf der Welt vor politischen Umbrüchen und gesellschaftlichen Verwerfungen stehen, haben die beiden Programmverantwortlichen dieses internationalen Jazzfestivals, das 2006 aus dem Klaviersommer hervorging, Innegrit Volkhardt und Oliver Hochkeppel, den Namen eines alten Songs zum Motto ihrer diesjährigen Ausgabe vom 28. Juli bis 1. August gemacht: „What the World Needs Now“.

Wer hätte dieses politische Motto besser vertreten können als der zuletzt im oberbayerischen Chiemgau ansässige Pianist Abdullah Ibrahim, der als Jazzmusiker aus Südafrika jahrzehntelang gegen das rassistische Apartheid-Regime in seiner Heimat gekämpft hatte und auch nach dessen Ende sich weiter politisch engagierte. Doch dessen jäher Tod vor wenigen Tagen machte eine Programmänderung notwendig. Der kubanische Pianist Alfredo Rodriguez eröffnet nun in diesem Jahr mit seinem Trio den Jazz Sommer im Bayerischen Hof: mit einem weltumspannenden Jazz, der seine Verwurzelung in der Kultur dieser Karibikinsel nicht aufgeben will. Ein ähnliches Konzept mit anderer ästhetischer Ausrichtung verfolgt der kanadische Multiinstrumentalist mit haitianischer Migrationsbiografie, Jowee Omicil, der mit seiner polyglotten Improvisationsmusik mit politischem Anspruch auf den Bühnen weltweit für Aufsehen sorgt.

Dann noch im Programm: Die vier Streicher aus New York vom Sirius Quartet treffen auf den deutschen Trompeter Joo Kraus und der spanische Pianist Daniel García Lopez spielt im Trio seinen Flamenco-Jazz. Die Sängerin Fabiola Mendez aus Puerto Rico setzt sich mit ihrer Kultur, Herkunft und Identität auseinander und die beiden Norweger Tord Gustavson (Piano) und Trygve Seim (Saxofon) führen ihren kammermusikalisch-leisen Duo-Jazz auf der Bühne im Nightclub vom Bayerischen Hof auf. Und auch dieses Jahr gibt es wieder ein Rahmenprogramm. So tritt die Münchner Kritiker:innenband mit dem Matthias Bublath Trio wieder am Vorabend des diesjährigen Jazz Sommers auf, in der Astor Cinema Lounge werden fünf Musikfilme gezeigt (unter anderem die Doku „Miles Davis – Birth Of The Cool“ und der Klassiker „Jazz an einem Sommerabend“) und mit der Ausstellung mit Miles-Davis-Fotos von Ralph Quinke begeht man das Centennial dieses legendären Trompeters.

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Jazz Sommer im Bayerischen Hof

Text
Martin Laurentius
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Gabriela Gabrielaa

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