Bezau Beatz 2019

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Von Christian Broecking

Zählen wir doch die wenigen Fakten zusammen und halten uns an die Chronologie der Ereignisse. Im Spätsommer 2018 erhielten 19 freie Autor*innen der wochentäglichen Radiosendestrecke WDR 3 Jazz & World eine Mail von Andrea Zschunke, in der die WDR-3-Musikchefin ankündigte, dass das Jazz- und Weltmusikprogramm dieses Kölner Kulturradios mit der Verrentung des bisherigen Jazzredakteurs Bernd Hoffmann zum 1. Dezember neu strukturiert und aufgestellt werden soll. Die monothematischen Autorensendungen werden nach Wunsch und Willen der Wellenleitung aus dem Programm genommen und vier Moderator*innen, nach einem „Casting“ ausgewählt, sollen zukünftig im Wochenwechsel durch das abendliche WDR-3-Jazz & World-Radio führen, das durch ein dreiköpfiges Redaktionsteam mit Musiklisten bestückt und verantwortet wird. Acht der betroffenen Mitarbeiter*innen hoben daraufhin ihren Finger und forderten in einem gemeinsamen Brief an die WDR-3-Wellenleitung „Transparenz und Partizipation“ – ohne dass sie jedoch Gehör fanden.

Kündigungen für den Relaunch
Schon im Spätsommer 2018 wurden einige dieser freien Musikjournalist*innen, die wegen ihrer regelmäßigen und häufigen Arbeit für den Westdeutschen Rundfunk „Bestandsschutz“ hätten einfordern können, vorsorglich gekündigt, um möglichen Ansprüchen auf Ausgleichszahlungen durch den WDR aus dem Weg zu gehen. Am 13. Februar schickte Zschunke dann mit einer Mail die Kündigung an alle bisher für WDR 3 Jazz & World arbeitenden, freien Mitarbeiter*innen. „Seit 1. Januar ist die neue Redaktion für WDR 3 Jazz & World am Start, die Vorbereitungen für den Relaunch der Strecke ab 1. April laufen auf Hochtouren. Letzte Woche haben wir uns auf vier Moderator*innen verständigen können“, schrieb die WDR-3-Musikchefin: „Das bedeutet, dass die bisherige Form der Zusammenarbeit mit Ihnen als sendungsgestaltenden Autor*innen Ende März beendet ist.“ Ihr Kündigungsschreiben beschloss Zschunke mit einem „persönlichen“ Appell an die Autor*innen: „Für die vielen Sendungen, die in den letzten Jahren von und mit Ihnen entstanden sind, möchte ich Ihnen ausdrücklich danken. Mir ist bewusst, dass ab 1. April für Sie persönlich, auf jeden Fall für unser Publikum eine große Veränderung spürbar werden wird, und hoffe, dass Sie unseren Schritt in die Zukunft akzeptieren können.“

Weiter im Programm. Seit 1. Januar ist Tinka Koch als Nachfolgerin von Hoffmann unter anderem im Team mit Markus Heuger dabei, die Neustrukturierung von WDR 3 Jazz & World voranzubringen. Je näher der Starttermin 1. April kam, desto mehr gab es nun auch in den Medien Kritik an der Reform und am Umgang der WDR-3-Wellenleitung mit den freien Mitarbeiter*innen. „Einfach auf mehr Gefälligkeit, mehr Quote, mehr Mix und mehr Masse zu setzen, kommt einem Totalausverkauf von Qualität gleich – und damit wird Jazz als solcher abgeschafft, denn der ist viel mehr als eine playlistkompatible Musikschublade“, machte der Verein NRWjazz auf seiner Website den Anfang.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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