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Martin Schüller

Sommerloch. Welch unschönes Wort für eine so angenehme Sache. Ruhe über allem. Die Kinder der Nachbarschaft versandt oder verliehen. Kein Gequengel auf dem Hof, das mich nur Stunden nach Sonnenaufgang aus dem Schlaf reißt. Lange Zeitung lesen. Herrlich verregnete, ereignislose Tage. Ein bisschen Musik machen, wenn man mag, nicht so viel, dass es anstrengt, schön leicht, formarm dahingleitend. Nicht einmal die Tour de France muss ich mir dieses Jahr antun, da das Thema Doping an dieser Stelle schon vor einem Jahr abschließend behandelt wurde.

Stattdessen: lauschigen Abends ein Brauhaus besuchen, die wenigen im Lande Verbliebenen beobachten, wie sie reden, lachen, trinken. Heiterkeit und Frieden um mich.

Doch dann, plötzlich, steht er da. Ein alter Mann in Uniform, der mit geradezu provozierender Freundlichkeit ein Magazin und eine Sammelbüchse in meine Richtung hält. Eingeschüchtert stecke ich eine Münze hinein und registriere erleichtert, dass er, ohne an mich einen weiteren Blick zu verschwenden, den nächsten, mit vier jungen Leuten besetzten Tisch ansteuert, um dort eine angeregte Konversation in bedrücktes Schweigen zu verwandeln. Ich betrachte das Magazin, es heißt, oha, »Der Kriegsruf«! Dann fällt mein Blick auf das neben den Titel gedruckte Wappen. »Himmel!«, schießt es mir durch den Kopf, »es gibt sie wirklich!« Diesen Namen kannte ich bisher nur aus klassischen Hollywoodstreifen wie »Sieben gegen Chikago«, und er stand stets für einen schrecklichen Gegner: Die Heilsarmee! Der natürliche Feind des Jazz! Die Heilsarmee hat das gesamte Ratpack vom Alkohol fortgebracht – oder es zumindest gezwungen, es vorzutäuschen, was ja fast dasselbe ist.

Sie war beteiligt, als Bürgermeister Tom Pendergast und seine Freunde aus der organisierten Kriminalität aus Kansas-City vertrieben wurden. Nicht nur wurden die Herren Young, Basie, Hawkins, (um nur ein paar zu nennen) so ihrer Wirkungsstätten beraubt, nein, aus einem Paris neidisch machenden Sündenpfuhl wurde die Welthauptstadt der Langeweile, Sommerloch – ein Leben lang.

Und was tue ich? Ich Narr lasse mich von einem Mann mit Uniform und aggressiv pazifistischem Lächeln nötigen, ihm Geld zu geben. Was wird er nun damit anfangen? Jazzer, erwachet! Der Feind schläft nicht!

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2 Kommentare zu „Sommerloch“

  1. Wenn das stimmt: „Sie war beteiligt, als Bürgermeister Tom Pendergast und seine Freunde aus der organisierten Kriminalität aus Kansas-City vertrieben wurden.“, dann ist der Verein doch prima!

    Verklärung von organisiertem Verbrechen, angefixten Kindern, erzwungener Prostitution, Bestechung, im Namen des Jazz? Nein Danke.

    Ich höre Jazz lieber ohne Schutzgelderpressung, ohne Menschenhandel, etc. Keine falsche Nostalgie.

    OhWeh

  2. Wer als Jazzer einen Verein glorifiziert, dessen Leitspruch „Suppe, Seife, Seelenheil“ lautet, sollte sich einmal anhören, wie selbiger dieses Motto in uniformierte Blasmusik transferiert.

    Der Basstard

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