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Lili Lameng

Und wieder eine Anfrage für Saxophon solo, die dritte in diesem Monat. Bei der ersten habe ich rundweg abgelehnt. Ich sollte eine Gesellschaft beglücken, die sich auf eine sechs Stunden dauernde Dampferfahrt auf dem Müggelsee begeben wollte. V.I.P.s, geladene Gäste einer großen Computerfirma. Für eine Band sei zu wenig Platz, und auf der Demo-CD eines Quartetts habe man das Saxophon so schön gefunden. Da habe sich die Eventmanagerin gedacht, so ein Saxophon allein wäre einfach genial! Pro Stunde nur 30 Minuten spielen! Drei Stunden spielen! Also, da mag ein Saxophon noch so schön klingen, nach der Fahrt hätte ich wahrscheinlich das Bedürfnis gehabt, auf Gitarre umzusteigen. Oder Akkordeon, dann bei einer Schifffahrtsgesellschaft anheuern und ab auf große Fahrt…

Bei Anfrage Nummer zwei sollte ich eine Art Glückwunschtelegramm zu einem siebzigsten Geburtstag sein und eine Viertelstunde spielen, okay, das war leicht verdientes Geld.

Und jetzt bei Anfrage Nummer drei werde ich die Gäste einer Modenschau musikalisch begrüßen. Das mache ich gerne.

Trotzdem fällt es mir schwer zu verstehen, warum gerade so ein Saxophonsolo so beliebt ist. Ja klar, da muss es um mehr gehen als die Musik, das weiß auch ich. Das gewisse Etwas eben, und wenn eine Musikerin das Instrument spielt, scheint sich dieser Effekt zu steigern.

Dass das Saxophon dieses Etwas hat, ist allgemein bekannt. Auch der „Erotische Gottesdienst“ beim diesjährigen Evangelischen Kirchentag in Köln wurde mit der Kombination Orgel / Saxophon untermalt. Habe ich gelesen. Die intellektuelle, mächtige Königin der Instrumente in Umarmung mit der instrumentalen Verkörperung des demi-monde? Es spielen auch viele Pfarrer Saxophon. Ich kenne einen. Ich möchte von ihm nicht genau wissen, warum er Saxophon spielt und nicht Trompete im Posaunenchor.

Dem gewissen Etwas bin ich einmal unter einer Brücke begegnet, leider nur sehr flüchtig. Da spielte ein Tenorist spät abends am Spreeufer sehr entspannt und gekonnt nur für sich. Ich fuhr nur mit dem Fahrrad vorbei. Sein Spiel hatte nichts mit einem Glückwunschtelegramm zu tun. So wie er kann man nicht spielen, wenn ein Siebzigjähriger und seine Verwandtschaft darauf warten, die Torte anschneiden zu dürfen.

Wie bin ich zum Saxophon gekommen? Vom demi-monde wusste ich damals noch nichts. Ich spielte Klarinette und kam mit meinem Lehrer nicht zurecht. Etüden fand ich langweilig, das Mozartkonzert lang und schwer zu spielen. Ich träumte davon, eine große Modeschöpferin zu werden. Im Nachbarzimmer der Musikschule gab es Herrn Büsig, den fand ich viel netter als meinen Lehrer. Und Saxophone ließen sich auch ausleihen. Ein paar Jahre später tauchte Lisa Simpson auf und bestärkte mich in meinem Entschluss. Vom gewissen Etwas erfuhr ich erst viel später unter der Brücke. Doch diese flüchtige Begegnung ließ mich verstehen, was mit dem einsam spielenden Saxophonisten assoziiert wird. Wenn ich bei der Modenschau spiele, werde ich mir vorstellen, ich sei er.

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