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Lili Lameng

Lounge, Lounge, Lounge. In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich „eben Lounge, Sie wissen schon“ spielen soll. Früher sollte ich Hintergrundsmusik spielen, „Jazz, nicht wahr, aber bitte nicht so modern“, später hieß das „Background“. Nun eben „Lounge“.

Zuerst wusste ich nicht so genau, was gemeint war, jetzt schon. Ich höre mich ja um.

In jedem Fall kann „Lounge“ nicht draußen stattfinden. Es ist ein angenehmer, innen liegender Ort, der sich den Anschein von Halböffentlichkeit gibt. Eigentlich eine Art Wohnzimmer oder in einem Hotel ein Gesellschaftsraum. Nicht jeder darf in so eine Lounge. Das weiß auch die Deutsche Bundesbahn. In deren Lounge wird dem Warten eine neue Qualität gegeben. Aber nur, wenn man Erste Klasse fährt.

Eine Lounge ähnelt damit ein wenig auch einem Boudoir, eben einem elegant eingerichteten Raum, in den man sich zurückzieht, nur dürfen auch Männer in die Lounge. Entspannend soll es sein. Also nicht zu laut spielen. Auch nicht zu schnell. Das würde die Lounge-Atmosphäre stören. Cool Jazz geht. Auch wenn die Farbgebung in den Lounges eher warm ist. Moccatöne müssen dabei sein. Till Brönners Platten passen auch gut. Streng geformte, lederbezogene Sitzmöbel dominieren. Es wird auf den Einrichtungsstil der 70er Jahre angespielt. Es wird sich entspannt, Dekompression. So entspannen zum Beispiel die Manager von der Manager Lounge. Das dürfen sie nur, wenn sie mindestens 75.000 Euro im Jahr verdienen. Sonst darf man da nicht hinein, außer man bietet Entspannungshilfe wie ich mit Lounge Style Jazz. Nehme ich zumindest an, denn bis jetzt wurde dort ohne meine Unterstützung Abstand von Alltag genommen.

Und nur abends oder eher noch nachts kann so eine Lounge ihrer wahren Bestimmung nachkommen. Das liegt an Mary Kaye, der Gitarristin, die mit ihrem Trio den Begriff geprägt hat. Schon um 1950. Zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens trat die Band auf. In Ermangelung eines Auftrittsraumes für die Band im Hotel Frontier in Las Vegas wurde eine Bühne in Nähe der Bar aufgebaut. Das Ganze nannte sich dann Lounge. Und als Frank Sinatra in den ersten Wochen, in denen das Mary Kaye Trio im Frontier spielte, dort 120.000 Dollar verprasste, wurde die Lounge Idee für andere Hotels interessant. Vorher waren die Öffnungszeiten nämlich von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts. Nun rund um die Uhr. Und so wurde Las Vegas zu dem, was es heute ist. Die Hotels suchten Künstler für die Lounges als Kontrast zu den Big Bands in den Showrooms.

Und beim Mary Kaye Trio fanden sich dann im Publikum die Stars mit ein, denn Judy Garland, Marlene Dietrich, Sammy Davis Jr., Dean Martin oder Elvis hatten ihre Show schon hinter sich, wenn Mary zu spielen begann.

Schön, die Geschichte der Lounges. Ich könnte ja mein Wohnzimmer zur Lounge erklären, in der Poster Lounge die Dekoration ordern, das Motto der China Lounge an der Reeperbahn als meines ausgeben („Ein Mikrokosmos zwischen Sündenpfuhl und Sinngebung, ein Club, der sich bewegt. Hört den Klang, hört den Rhythmus.“) und mit Lilis Lounge Leipzig zu einem neuen Las Vegas machen.

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2 Kommentare zu „Lounge“

  1. Sehr schön! Dekompression und Entschleunigung. Und was haben in diesem Zusammenhang die Begriffe „Chill out“ und „Ambient“ für einen Stellenwert?!

  2. Lounges sind prima, bestimmt! Aber diese Jazz-Simulation, diese akustische Raumstrukturierung, diese synthetische, stubenreine Fahrstuhlmusik, die keinem so richtig weh tut – ohne Dramaturgie… wie Sex ohne die anschließende Notwendigkeit einer Dusche, clean und seelenlos eben, politisch korrekt, jugendfrei ;-)

    (nicht so böse gemeint wie es klingt: sorry, b@ss!)

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