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chrisdell

Jeder kennt das Problem: man lernt Leute kennen, denen man Jazz nahe bringen will, oder sagt sich: Jetzt ist es an der Zeit, auch guten Freunden mal den Weg zum Jazz zu ebnen. Für mich ist der Fall dann klar: oh ha, erst mal langsam anfangen, ein wenig Ella, ein wenig Miles (am besten die modalen Sachen), Charlie Parker ist ja noch eine Ecke zu nervös. Dann kann ich behutsam mit strukturelleren Aufgaben weitergehen: vielleicht Hank Mobley oder Clifford Brown. Aber Coltrane, Coltrane ist noch ganz, ganz weit weg.

Und so taste ich mich langsam vor, immer bedacht, ja niemanden mit anstrengendem Gedaddel zu verschrecken. Es geht ja um Gewinnung für, um die Eröffnung einer neuen Möglichkeit. Aber die taktische Maßgabe ist klar: immer erst aus der massiven Deckung heraus agieren.

So weit, so gut.

Dann bin ich auf einer ganz normalen Party und statt dem üblichen Gemuzak (man ist ja darauf getrimmt wegzuhören, so zu tun, als sei man gehörsmäßig nicht bei Sinnen) läuft da doch Coltrane, und zwar „Olé“. Ich frage gleich nach, wer das denn aufgelegt hat. Es ist die Gastgeberin A selbst, ihres Zeichens Stewardess. Ich frage sie, wie sie denn auf die Sorte Musik kommt. Und sie erzählt mir folgende Geschichte.

Wochenlang bekam sie Messages auf ihren Anrufbeantworter. Keine Worte wurden gesprochen, es lief immer nur Musik. A wunderte sich, wusste nicht, von wem die Anrufe kamen. Aber eins wusste sie: dass sie diese Musik, die sie noch nie gehört hatte, zutiefst bewegte und berührte. Sie war einfach begeistert. Also nahm sie den Kassettenrekorder, hielt das Mikro an den AB und nahm die Musik auf. Mit der Kassette lief sie zu einem befreundeten Musikladen und spielte dem Verkäufer die Musik vor. Für den war der Fall klar: Coltrane. Also kaufte A das Regal leer und wurde von heute auf morgen zum Coltrane-Hardcore-Fan. Ohne Einführung!

Dabei ist doch Freejazz so schlimm! Und so peinlich expressiv! Es ist mir unerklärlich. Oder sollte doch eine andere Welt möglich sein? Kann ich das nächste Mal vielleicht mit Matthias Schubert, John Schröder oder Norbert Scholly anfangen?

Eine ganze Zeit später erfuhr A, dass die Botschaften von einem Mann geschickt worden waren, der ihr einfach seine Liebe mitteilen wollte. Leider war es nicht so einfach: er war verheiratet. Da er somit keine Aussicht auf eine Einlösung seiner Liebe sah, schickte er Musik statt Worte. Als Zeichen.

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5 Kommentare zu „Ist eine andere Welt möglich?“

  1. Ich hab’s aufgegeben, Leuten musikhörtechnisch was beibringen zu wollen. Erst sagen sie sowas wie „oh, ich dachte immer Jazz sei ganz verrückt, aber das hier kann man ganz gut hören…“

    Am Ende erwische ich sie doch wieder beim heimlichen Abspielen von Charthits und Remakes von Roberta Flack oder noch Schlimmerem.

    In letzter Zeit spiele ich zu Hause auch Jazz, obwohl ich gar nicht da bin; einfach weil ich denke, dass es per se gut ist, wenn irgentwo Jazz läuft ;-)

  2. Hi Christopher,

    super Story! Lässt hoffen für die kommenden Generationen. Ich würde vorschlagen du fängst demnächst immer gleich mit ihm an oder wählst aus aus: Thelonious Monk (egal, welche Scheibe)Charles Mingus (auch ziemlich egal) oder Stravinsky: Le Sacre du printemps – sag einfach das wäre so eine Art moderner Jazz, vielleicht kennt dein „zu Erweckender“ das ja noch nicht….

    Bestes dir!

    Sandra

  3. Wir Jazzhörer sind doch nicht blöd. Muss ja einen Grund haben, dass wir so auf das Zeug abfahren, wenn wir’s erst mal entdeckt haben. Meine erste Zigarette hat mir übrigens auch nicht geschmeckt. Aber entscheidend ist, ob du dir trotzdem die zweite ansteckst. Tatjana hatte nie vorher modernen Jazz gehört. Kuscheln wollte sie auch nicht so recht, dabei war sie ein so heißes Mäuschen, dunkelhaarig, mit echten Kurven überall. Aber nach zwei Stunden Coltrane (ja, wirklich!) war sie total auf romantisch programmiert und machte ständig mit meinem Knie rum. Ich verdanke Trane viel, I tell ya. Trotzdem: Ich war nicht der, der immer bei A. anrief.

  4. Hallo Chrisfried, da hast du was Wahres gesagt: „ich denke, dass es per se gut ist, wenn irgendwo Jazz läuft“. Auch wenn keiner zuhört. Echt philosophisch. Irgendwie teilt sich der Swing doch bestimmt den Luftatomen mit. Dann kommen die schon mal nicht auf blödere Gedanken. Und der Jazz liegt praktisch in der Luft. Das spürt man noch Tage später.

  5. Mach Dich mal nicht lustig über Chrisfried. Dieser Japaner Amoto hat wissenschaftlich nachgewiesen, dass Schwingungen z.B. auf Wasser übertragen und als Information abgespeichert werden. Ich habe es getestet und es funktioniert. Z.B. stelle ich abends zwei Liter Quellwasser vor mein kleines Küchenradio und lasse über Nacht Jazzradio laufen. Das Wasser ist morgens voll aufgeladen mit sogenannten „Swingungen“, das spürt man sofort mit dem ersten Schluck. Amoto hat ja z.B. zu den Wassermolekülen solche Sachen wie „Hitler“ und so gesagt und das ganze unter dem Mikroskop untersucht. Fotos von den entstandenen bösen Strukturen lassen sich in dem Buch „Wasser und Salz“ nachgucken, sehr empfehlenswert!

    Björn (Schweden)

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