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Pit Huber

Jeden Tag höre ich von einer neuen Verschärfung des Rauchverbots, einer neuen Telefon-DSL-Flatrate, einem neuen Manager-Rausschmiss und einem neuen Klaviertrio. Neue Klaviertrios sind für den Jazz heute wie nasses Laub im November oder wie Ketchup auf dem Cheeseburger. Nicht wirklich angenehm, aber kaum mehr wegzudenken.
 
Das neue Klaviertrio – so als generelle Gesamtflut – ist der Ausfluss einer gesellschaftlichen Reformströmung mit dem Motto: Mehr Verantwortung wagen! Das neue Klaviertrio ist nämlich grundsätzlich basisdemokratisch. Die eine Formation übt Gleichberechtigung, bei der anderen haben sich Bass und Drums emanzipiert, bei der nächsten wechseln ständig die Führungsaufgaben, bei der vierten ist man ein ausgeglichenes Kräftedreieck. Das heißt: Ständig versucht der Bass eine luftige, gewichtlose Melodie zu grummeln, der Drummer schlägt auf der Snare die Akkorde und das Klavier macht den Hi-Hat-Backbeat auf der hohen Cis-Taste.
 
Jede dieser Formationen ist (laut Pressetext) etwas ganz Neues: ein Klaviertrio der anderen Art. Die eine ist übrigens von Bill Evans angeregt, die nächste vom klassischen Bill-Evans-Trio mit Scott LaFaro und Paul Motian, die dritte von den legendären Village-Vanguard-Aufnahmen, die vierte von der Bill-Evans-Ästhetik im Allgemeinen und ein bisschen auch von Schumann. Das eine Trio erzählt auf seinem Album Geschichten, das andere porträtiert die wechselnden Jahreszeiten, das dritte beschreibt Lieblingsorte von der letzten Tournee und das vierte einfach nur Stimmungen. Lauter freundliche, friedliche Tätigkeiten. Basisdemokratisch und emanzipiert.
 
Bevor dieses neue, gleichberechtigte, ganz andere Klaviertrio erfunden wurde, war das Klavier ein böses, monarchisches, autokratisches, ein Königs-Instrument. Franz Liszt machte im Alleingang ein ganzes Sinfonie-Orchester überflüssig, James P. Johnson immerhin eine Harlem-Tanzband. Und wenn zwei Kammerdiener dem König ein paar kleine Aufgaben abnahmen, hatte der die Hände noch freier zum Regieren. Das Bud Powell Trio ersetzte eine komplette Bebop-Combo, das Oscar Peterson Trio sogar eine Big Band. Da ging die Post ab, die Massen kreischten und die Grundmauern kamen ins Swingen. Von Demokratie keine Spur. Definitiv nicht pc. Bassist und Drummer waren rechtlose Rhythmusknechte.
 
Manchmal wäre man gerne ein bisschen Monarchist. Schluss mit Emanzipation und Basisdemokratie. Einfach die Sau rauslassen.
 
Pit Huber

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1 Kommentar zu „Das neue Klaviertrio“

  1. Ich finde es insgesamt prima, dass der Jazz mehr und mehr Konsumenten findet. Und dass es ohne Marketing nicht geht, haben inzwischen sogar die Jazz-Musiker verstanden ;-)

    Das bedingt dann auch, dass man immer mehr Klavier-Trios braucht, um bei den festlichen, wissenschaftlichen oder umsatzorientierten Come-Togethers akustischen den Raumn zu strukturieren. Das ist alles vielleicht kein „echter“ Jazz, aber immer noch besser als z.B. „Juli“, die vor einigen Tagen bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises völlig unpassend aufgespielt haben.

    Die Sau rauslassen kann man bei diesen Empfängen in der Regel natürlich eher weniger. Aber da gibt es ja Gott sei Dank viele andere Gelegenheiten.

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