Diese Wurzel aus Drei wirkt über weite Strecken wie eine Wurzelziehung. Aber wie das bei Wurzelziehungen so der Fall ist, bewirkt sie nur Gutes. Es ist eine Plattitüde, dass man sich auf die Musik der japanischen Pianistin Rieko Okuda, des deutschen Posaunisten Matthias Müller und des australischen Drummers Samuel Hall einlassen muss, denn das muss man schließlich auf fast jede Art von Musik. In diesem Fall dürfte es aber selbst hartgesottenen Improv-Fans einiges an Geduld abverlangen, in die Verläufe des Trios hineinzufinden, um deren minimalistische Poesie zwischen Echtzeitmusik, Drone und der ereignislosen Musik der Mittneunziger zu erschließen und letztlich genießen zu können. Im großen Rahmen passiert relativ wenig in diesen Trio-Verschränkungen, dafür ist die Musik so reich an subtil eingeflochtenen Details, dass man unweigerlich permanent im Entdeckermodus bleibt. Das Ohr schärft sich und mit ihm alle anderen Sinne. Okuda, Müller und Hall erinnern uns daran, dass es doch immer wieder auf die kleinen Dinge im Leben ankommt.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 14. Sep 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews